First Things First

Rund fünf Jahre ist es her, als Ethan Marcotte über den Responsive-Webdesign-Workflow sprach, und ein Jahr zuvor veröffentlichte Luke Wroblewski sein Buch «Mobile First». Dazwischen und danach wurde viel darüber gesprochen, ausprobiert, widerlegt und befürwortet. Heute ist «Mobile First» und «Responsive-Webdesign» in aller Munde.

Während «Responsive-Webdesign» im Grundsatz verstanden wird und für geräteübergreifende Internetpräsenzen mittlerweile als Standard angesehen wird, verhält es sich bei «Mobile First» ein wenig anders – verstanden und angewendet wird der Begriff zumindest unterschiedlich. «Mobile First» kann ein Design¬-Approach sein, aber auch eine Strategie für Inhaltsauslieferung auf unterschiedlichen Kanälen. Aktuell scheint «Mobile First» das Mantra für Webdesign schlechthin zu sein.

Reduktion auf das Wesentliche

Im Sinne von «Mobile First» beginnt man mit der Entwicklung der Website für Geräte mit kleinem Display und geringerer Bandbreite. Nach wie vor stehen die Inhalte der Website im Vordergrund, jedoch werden diese für Smartphone-Nutzung optimiert, was zwangsläufig zu geschärften Inhalten führt. Diese Herangehensweise wirkt sich ebenfalls positiv auf die Tiefe der Struktur aus, woraus übersichtliche und leicht verständliche Navigationsstrukturen resultieren. Letzten Endes profitiert auch die Desktopversion von diesem Vorgehen, sieht sich der Webdesigner doch zunehmend vor der anspruchsvollen Aufgabe, auf das Wesentliche zu reduzieren und gleichzeitig genügend Differenzierungsmerkmale herauszuarbeiten.

Die Erfahrung zeigt, dass «Mobile First» als Designprinzip nicht immer den gewünschten Erfolg bringt, effizienter und mit der angestrebten Eigenständigkeit ans Ziel zu gelangen. Es gilt zu prüfen, ob man im Designprozess vom Kleinen ins Grosse brechen will und diesen bewusst von der anderen Seite her angeht, also beim grössten «Viewport» startet. Dadurch gibt man den Designern mehr Spielraum, die Markenidentität überraschend und benutzerzentriert zu transportieren. Mit dem Vorteil reduzierter Inhalte und vereinfachter Struktur, gegeben aus der «Mobile First»¬ Herangehensweise.

«Mobile First» bedeutet «User First»

Vergleicht man heutzutage digitale Präsenzen, die konsequent nach «Mobile First» umgesetzt wurden, so werden diese nicht immer der Aufgabe gerecht, innovativ zu sein und sich genügend zu differenzieren.

Letztendlich bedeutet «Mobile First» also auch «Content First», «Context First» und somit einmal mehr «User First», das heisst, den Kundenbedürfnissen auf jedem Device in jeder Situation gerecht zu werden.