Koffein-Boost und Kolibri-Präzision. Wie der Knowledge Graph die Google-Suche verändert

Die Nutzung von Suchmaschinen gehört heute zu unserem Alltag. In der Informationsflut helfen Google und Co., die relevanten Informationen zu finden. Die Zahlen dazu sind eindeutig: Gemäss der ARD- / ZDF-Onlinestudie 2013 nutzen 83% der über 14-jährigen deutschsprachigen Online-Nutzer in Deutschland mindestens einmal pro Woche Suchmaschinen. Damit liegt die Nutzung von Suchmaschinen etwa gleichauf mit der Nutzung von E-Mail.

Damit die Nutzungsfrequenz hoch bleibt, unternehmen Suchmaschinen eine Vielzahl von Massnahmen. Google, die in Europa dominante Suchmaschine, gehört zu den aktivsten Plattformen, wenn es um neue Funktionen geht. Seit dem Start vor 15 Jahren hat sich die Suchmaschine in rasantem Tempo weiterentwickelt. Die folgende Übersichtsgrafik aus Googles offiziellem Blog („Inside Search“) gibt einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen.

Übersichtsgrafik über die wichtigsten Entwicklungen der Google-Suche.

(Quelle: http://insidesearch.blogspot.ch/2013/09/fifteen-years-onand-were-just-getting.html)

Der Knowledge Graph: Antworten statt Suchresultat-Listen

Die wohl wichtigste und spannendste Entwicklung ist der so genannte „Knowledge Graph“. Damit wird Google von der Such- immer mehr zur Antwortmaschine.

Bis vor etwa zwei Jahren bekamen Nutzer als Resultat hauptsächlich Listen von Seiten, die eine thematische Relevanz zum Suchbegriff haben. Mit dem Knowledge Graph zeigt Google nun die relevante Information in passender Form direkt in den Suchresultaten an. So ergibt sich beispielsweise für den Suchbegriff „songs from the beatles“ eine Suchresultatseite mit einer Liste von Beatles-Songs inklusive Zusatzinfos wie beispielsweise Jahr und Song-Länge.

Basis für den Knowledge Graph: Technische Infrastruktur und Sprachverständnis

Um dies zu ermöglichen, benötigt Google einerseits eine mächtige technische Infrastruktur und andererseits ein tiefgehendes Verständnis der menschlichen Sprache.

Die technische Basis für den Ausbau des Knowledge Graph lieferte bereits 2010 das grosse „Caffeine“-Update. Caffeine ist der englische Begriff für Koffein. Entsprechend verschnellerte die Aufrüstung der Infrastruktur das Finden und Indexieren von Webinhalten massiv.

Mit „Hummingbird“ (deutsch: Kolibri), dem neuesten Update, sorgt Google seit ein paar Wochen für ein tiefer gehendes Verständnis der menschlichen Sprache. Damit wird die Suchmaschine noch fitter, wenn es darum geht, die Absicht hinter einer Suchanfrage oder gar einer Abfolge mehreren Suchanfragen zu verstehen. Schnell und präzise: Dies sind die beiden Eigenschaften, die sich Google beim Kolibri abgeschaut hat.

Google zielt mit dem Knowledge Graph aber nicht nur darauf ab, die Fragen des Nutzers direkt zu beantworten. Vielmehr geht es dem Konzern darum, den Nutzer im Google-Universum mit all seinen Diensten und Technologien wie Gmail, Youtube, Google Glass, Google Play/Android, etc. zu halten. Es ist nicht erstaunlich, dass Google dank dieser Markenwelt die zweit-wertvollste Marke der Welt ist.

Stossrichtung für Webseiten-Betreiber: weg von Keyword-Optimierung, hin zu starken Inhalten

Was heisst das für die Betreiber von Webseiten? Dadurch, dass Google die Nutzer stärker in der Google-Welt hält, werden klassische Massnahmen zur Reichweitensteigerung für Websites weniger wirkungsvoll. Eine Landingpage zu einer Keywordkombination wie „Songs of the Beatles“ wird weniger Traffic erhalten, denn sie bietet gegenüber der Antwort von Googles schnellem und präzisem Knowledge Graph keinen Mehrwert und ist auf der Suchresultatseite wohl je länger je weniger sichtbar.

Auch Geschäftsmodelle, die darauf abzielen, möglichst viele Landingpages im so genannten Longtail-Bereich aufzubauen und mit vielen Einstiegsseiten Traffic zu generieren, dürften es immer schwieriger haben. Zumal mit Google Panda ein weiteres Update seit einiger Zeit dafür sorgt, dass Seiten mit „dünnen Inhalten“ weniger gute Rankings erzielen.

Der Königsweg ist also für Webseiten-Betreiber, die eigene Web-Präsenz zu einer so bekannten und geliebten Marke zu entwickeln, dass die Nutzer sich an den Markennamen erinnern und über diesen zur Seite navigieren.  Einige Inspirationen, wie man auch mit kleinen und mittelgrossen Websites „zur Marke werden“ kann, finden Sie übrigens in unserem Blogpost „7 Tipps für Brandbuilding” .

Fazit: Wer massenweise Seiten für Keyword-Kombinationen optimiert, hat kurzfristig noch Erfolg. Langfristig sind die Erfolgsaussichten für diese Taktik bei Googles schnellem und präzisem Index und dem hohen Weiterentwicklungs-Tempo eher gering. Wer hingegen Inhalte bietet, die von den Nutzern geliebt und geteilt werden, hat auch langfristig Erfolg.

Google+ Profil des Autors:
Matthias Schmid

Die Keyword-Optimierung ist tot – es leben die qualitativen Inhalte

Mit den jüngsten Updates des Suchalgorithums liefert Google fortan nicht mehr nur eine Liste der Suchresultate zum passenden Keyword sondern qualitative Antworten auf reale Fragen. Somit rückt die blosse Keyword-Optimierung immer mehr in den Hintergrund und das neue Ziel lautet: Mit nützlichen, relevanten Inhalten auf der Website zufriedene Kunden gewinnen.