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Ein Abstecher in die Welt der digitalen Sprachassistenten

Der Hype um die digitalen Sprachassistenten wie Alexa, Siri, Google Home etc. nimmt kein Ende. Am Laufband werden neue Modelle vorgestellt, Funktionalitäten in Blogs verglichen und unzählige Konversationen in Videos veranschaulicht. Was sich verändert, warum wir uns mit den Sprachassistenten beschäftigen sollten und wie Informationsanbieter auf diesen Trend reagieren, sind Themen des Beitrags.

Nachschlagen, googeln, befehlen – Der Zugang zu Informationen verändert sich

Die Erinnerungen an die ersten Versuche, einen Artikel im (Grundschul-)Lexikon zu suchen, erblassen allmählich – zumindest für die meisten von uns. Das gute alte Lexikon: ein Nachschlagewerk, dick, allwissend, haptisch. Längst haben wir uns für die Informationsbeschaffung an die Suchmaschine Google gewöhnt. Bei vielen Benutzern im Browser als Startseite konfiguriert, spürt Google im Internet Informationen für uns auf. Das stundenlange Blättern in Enzyklopädien ist vorbei. Wir tippen heute ganze Fragen in Googles Suchfeld und erhalten innert Sekunden die benötigten Antworten. Die Informationsaufbereitung im sogenannten Google Knowledge Graph macht eine Navigation zu weiteren Webseiten sogar oftmals überflüssig.

In andere Sphären hebt uns nun die automatische Spracherkennung. Alexa und Co. bieten uns durch natürliche Sprache Zugang zu immensen Datenbanken. Das Tippen auf dem Smartphone entfällt, und wir stillen unseren Wissensdurst oder erteilen Befehle durch künstliche Intelligenz.

User: «Alexa, I need milk.» (1)
Alexa: «I put milk on your shopping list.»

Der Dialog mit den digitalen Sprachassistenten und deren Möglichkeiten machen deutlich, dass sich die Art und Weise, wie wir an Informationen gelangen, grundlegend verändert.

Warum wir uns mit Alexa und Co. beschäftigen sollten

Der Boom um die digitalen Sprachassistenten ist kaum aufzuhalten. Das Marktforschungsinstitut Tractica prognostiziert in fünf Jahren im Bereich der Spracherkennung einen weltweiten Umsatz von rund 4.12 Milliarden US-Dollar (2). Eine Schatztruhe für die Technologie-Giganten Google, Apple, Facebook und Amazon.

Obwohl «Informationen von Suchmaschinen abrufen», «An persönliche Termine erinnert werden» und «Wettervorhersage abrufen» gemäss einer Umfrage von Norstat und Statista zu den drei Hauptanwendungsfeldern für Sprachassistenten gehören (3), dürften uns die virtuellen Helferinnen künftig immer mehr Alltägliches abnehmen.

Mit jeder Konversation trainieren wir die Sprachassistenten. Beispielsweise hat sich die Anzahl der verfügbaren Skills für Amazons Alexa in nur einem halben Jahr um den Faktor drei vervielfacht und liegt aktuell bei 15'000 Skills (4).

Durch die zunehmende Vernetzung könnten Sprachassistenten in Zukunft Einkaufstouren für uns erledigen, Flug- und Hotelbuchungen vornehmen oder Finanzdienstleistungen ausführen. Es ist eine Frage der Zeit, bis die meisten Konversionen nicht mehr durch unser Tippen auf dem Smartphone, sondern durch unseren Dialog mit einem Sprachassistenten ausgelöst werden. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit Alexa und Co. dürfte sich deshalb nicht nur für Private, sondern auch für Marketer lohnen.

Wir haben bei Matthias Schmid, Senior Consultant und SEO-Spezialist bei Unic, nachgefragt, wie Sprachassistenten die Art und Weise der Informationsbeschaffung verändern und mit welchen Optimierungsmassnahmen Informationsanbieter bestmöglich auf diesen Trend reagieren können.

Matthias Schmid, ob wir zwei, drei Keywords auf Google eintippen oder Alexa eine Frage stellen – die Art und Weise, wie wir Informationen suchen, ist im Wandel. Worin liegen die grössten Unterschiede zwischen der Text- und der Spracheingabe?

Matthias Schmid: Viele sind es sich heute noch gewöhnt, eine Suchanfrage zu zerstückeln, so dass eine Reihe von Schlagwörtern übrig bleibt, zum Beispiel «aktueller Bundespräsident Schweiz». Eine Sprachsuche ermöglicht es, auf effiziente Art Fragen zu stellen, also: «Wer ist Bundespräsident der Schweiz?», und direkte Antworten zu erhalten. Dank zunehmender Intelligenz der Sprachassistenten können dabei Informationen weggelassen werden. So reicht z. B. die Frage «Wann fährt der nächste Zug nach Bern?» für eine Verbindungsabfrage bei der Bahn aus. Der Sprachassistent kann automatisch den aktuellen Ort als Abfahrtsort einsetzen. Er kombiniert die Suchanfrage mit den vorhandenen impliziten Informationen und Kontextinformationen wie etwa dem Standort.

Welchen Einfluss haben genannte Unterschiede auf die Suchergebnisse?

Suchmaschinen liefern mittlerweile bei Faktenfragen oft direkt Antworten statt Listen von Websites, die möglicherweise die passende Antwort enthalten. Den Suchmaschinen geht es dabei um Nutzerfreundlichkeit, aber auch darum, die Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange im eigenen Universum zu behalten. Eine weitere wichtige Konsequenz ist, dass diese Antworten von einem Sprachassistenten vorgelesen werden können. Mit Suchresultat-Listen würde dies unnatürlich klingen. Die Nutzerin kann danach in einen Dialog mit dem Sprachassistenten treten und Folgefragen klären.

Wie können Informationsanbieter diese Erkenntnisse für die Optimierung einsetzen?

Informationsanbieter, die bisher darauf setzten, auf ihrer Website einfache Fakten-Antworten zu geben, bspw. die Namen und die Amtsdauern der Bundespräsidentinnen und -präsidenten, werden zukünftig weniger Besuche auf ihrer Website erhalten, weil die Nutzer die Antworten schon bei der Suchmaschine erhalten. Ein möglicher sinnvoller Weg für Informationsanbieter ist das Aufarbeiten von komplexen Informationen, die eine Suchmaschine nicht mit einer knappen Textantwort geben kann. Beispielsweise wenn es um Fragen geht, welche Art von Hypothek in welchen Fällen sinnvoll ist. Hier kann auch gut mit Bildern und Videos gearbeitet werden. Ein anderer Weg kann sein, den Informationen einen persönlichen Touch zu geben. Beispielsweise könnte ein Immobilienportal mit regionalen Expertinnen arbeiten und Tipps für die Wohnungssuche in einer bestimmten Region geben. Daneben gilt es, von Fall zu Fall viele weitere Möglichkeiten zu prüfen. Wichtig ist dabei die Berücksichtigung der Branche. In der Finanzbranche gibt es andere Anforderungen an Informationen als beispielsweise im Tourismus.

Sind Unternehmen heute schon bereit für diese neuen Technologien und diese erweiterte Art der Suchmaschinenoptimierung (SEO)?

Die Website und die Inhalte für Sprachassistenten bereit zu machen, bedeutet zusätzliche Arbeit zu den SEO-Basics. Wir beobachten, dass viele Unternehmen die SEO-Basics heute gut umsetzen, und wir empfehlen, zu den Basics Sorge zu tragen. Immer öfter werden zusätzlich strukturierte Daten gemäss schema.org eingesetzt, um beispielsweise Preisinformationen oder Ratings von Produkten für Suchmaschinen klar zu kennzeichnen. Dies erleichtert den Suchmaschinen das Finden von Antworten. Bei den Apps für Sprachassistenten zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Ländern. Beispielsweise ist Amazon in Deutschland aktiv und entsprechend gibt es viele Skills, vom Deutsche Bahn-Skill über Wörterbücher bis zu Smart-Home-Diensten. In der Schweiz dagegen gibt es erst wenige Dienste, bisher hauptsächlich von Newsportalen.

Welche Aktivitäten empfiehlt Unic, um für den Wandel, der durch Sprachassistenten entsteht, fit zu sein?

Wir empfehlen unseren Kunden zunächst eine Analyse der bestehenden Situation. Nutzt die eigene Zielgruppe Sprachassistenten aktiv und regelmässig? Könnten unsere Informationen zu sinnvollen Antworten führen? Wenn ja, zu welchen Fragen können wir überhaupt Antworten bieten? In diesem Schritt überprüfen resp. erarbeiten wir auch das Geschäftsmodell. Geschieht die Nutzung von Alexa, um den Kunden einen einfacheren Zugang zu Informationen zu geben, oder geht es auch darum, Geld zu verdienen? Parallel dazu versuchen wir, geeignete Anwendungsfälle zu finden und möglichst rasch bereits einen Prototypen für einen eng abgegrenzten Anwendungsfall zu erstellen. In der Regel ist in dieser Phase vor allem Überzeugungsarbeit bei den Stakeholdern notwendig. Und eine neue Technologie entdeckt man am besten, indem man sie ausprobiert. Wenn wir damit erfolgreich sind, helfen wir gerne bei der Konzeption, Detailspezifikation und der Umsetzung von Massnahmen sowie deren Betrieb.

(1) Dialog in Englisch, da die Anwendungsbereiche für die Schweiz in Englisch noch umfassender sind.

(2) Statista (2017): https://de.statista.com/statistik/daten/studie/621155/umfrage/prognose-zum-umsatz-im-bereich-spracherkennung-weltweit/.

(3) Statista (2017): https://de.statista.com/infografik/8757/art-der-nutzung-von-digitalen-sprachassistenten/.

(4) Statista (2017): https://de.statista.com/infografik/10134/verfuegbare-skills-fuer-amazons-digitale-assistentin-alexa/.

Was man nicht alles mit SVGs machen kann

Dieser Artikel behandelt die Präsentation von Sarah Drasner am 31. August 2017; Originaltitel «SVG Can Do That?!».

Ich bezeichne mich selbst gerne als verhältnismässig kreativen Entwickler und lebe am liebsten irgendwo zwischen Frontend und UI Design. Ich mag Typografie, stehe absolut auf Minimalismus, bin generell begeistert von schönen Dingen, will schöne Dinge kreieren, fahre ab auf Animationen. Als ich den Talk «SVG Can Do That?!» im Programm der diesjährigen Frontend Conference gesehen habe, war für mich klar, worüber ich schreiben werde.