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Über den Wolken – SAP Commerce in der Public Cloud

  • Martin Kriegler

Die SAP Customer Experience Welt wächst weiter und unterzieht sich mit der SAP Commerce Cloud, ehemals SAP Hybris, einem weiteren Wandel. Schon seit dem Zusammenschluss zur SAP C/4HANA Suite ist die Marschrichtung klar: Als „Cloud Company“ fokussiert sich SAP weiterhin darauf, ihre Customer Experience Produkte in ihrer neuen Cloud zu etablieren. Doch was steckt dahinter, welche Vorteile bringt der neue Cloud-Ansatz und was können wir von der Zukunft erwarten? Dies klären wir in diesem Blogpost.

Anfänge der Customer Experience

Die SAP C/4HANA Suite ist nicht mehr wegzudenken und das zu Recht! Denn in ihr sortiert sich die Commerce Cloud neben der Marketing Cloud, Customer Data Cloud, Sales Cloud, Service Cloud und der ganz neu dazu gewonnene Qualtrics Lösung nahtlos ein. SAP bedient mit diesen Clouds die Customer Experience umfassend (mehr dazu im Blogbeitrag C/4HANA in a Nutshell).

SAP C/4HANA Suite
SAP C/4HANA Suite

SAP Commerce in der Cloud ist grundsätzlich keine gänzliche Neuerung. Bereits vor drei Jahren startete SAP damit, die noch relativ neu dazugewonnene Hybris E-Commerce Lösung in ihre eigene Cloud zu heben. Dabei wagte man noch nicht den ganz großen Sprung zu öffentlichen Cloud-Anbietern wie Amazon Web Services (AWS), MS Azure oder Google Cloud Platform (GCP), sondern ging den Weg ins eigene Rechenzentrum, auch genannt „SAP Commerce Cloud on SAP Infrastructure“. Dies brachte einige Implikationen mit sich, die sich mit der neuen „SAP Commerce Cloud in the Public Cloud“ auflösen sollen.

SAP Commerce in der Public Cloud

Seit der großen Commerce Public Cloud Ankündigung auf der Sapphire Now im Jahr 2018 sind weltweit bereits über 250 Kunden in der neuen SAP Commerce Cloud aktiv. Im Gegensatz zu den Anfängen, basierend auf der SAP Infrastruktur, setzen sie nun auf etablierte Cloud Dienste und Laufzeitumgebungen wie MS Azure und Kubernetes. Zu den wichtigsten Verkaufsargumenten für die SAP Commerce Cloud zählen:

  • Automatisierte Infrastruktur
  • Verbesserte Self Service Tools
  • Dedizierte Cloud Build Platform
  • Automatisierte Skalierungsmöglichkeiten
  • Desaster Recovery
  • Continuous Upgrades
  • Dynatrace Application Performance Management
  • Erweiterbarkeit mit der SCP Extension Factory (Project kyma)
  • Weltweite Verfügbarkeit

Doch was verbirgt sich hinter den Schlagwörtern? Kann SAP ihr Versprechen mit einer modernen und auf die Zukunft ausgerichteten Cloud Lösung halten? Werfen wir einen genauen Blick auf die einzelnen Aspekte der SAP Commerce Cloud.

Automatisierte Infrastruktur

Mit drei voneinander unabhängigen Cloud Umgebungen für die Entwicklung, Integration und Produktion reiht sich die Cloud Infrastruktur in die klassische Umgebungslandschaft aus on-premises Lösungen ein. War man in der Vergangenheit noch selbst für die Continuous Integration der Applikation verantwortlich, übernimmt dies nun die Cloud mittels Commerce Zone selbst, die ausschließlich auf Docker basiert. Mit zusätzlichen Build-APIs kann man auf die Continuous Integration Pipeline zugreifen um z.B. weitere Builds anzustoßen. Es ist aber auch möglich eigene Continuous Integration Tools wie Jenkins einzusetzen und in den Entwicklungsprozess einzubinden.

Continous Integration Builds in der Cloud
Continous Integration Builds in der Cloud

Verbesserte Self Service Tools & Dynatrace Application Performance Management

Deployments können nun über das dedizierte Cloud Portal selbst angestoßen werden. Mittels der Commerce Zone wird ein fertiges und auf Kubernetes deploybares Docker Image erzeugt, welches im Nachgang auf einer der drei Cloud Umgebungen verteilt werden kann. Dabei wird nun auch mit den Zero Downtime Deployments ein lang ersehntes Feature unterstützt.

Übersicht der Laufzeitumgebungen und Deployments
Übersicht der Laufzeitumgebungen und Deployments

Für die Überwachung des SAP Commerce Cloud Betriebs bietet SAP gleich mehrere Dienste an. Um Log Dateien zu analysieren, wird auf den bewährten Elastic Stack zurückgegriffen, der bereits in der ersten Cloud Lösung Anwendung fand. Hierbei können verschiedene Datenquellen eingelesen, ausgewertet und auf ein übersichtliches Kibana Dashboard aufbereitet werden. Auch Performance Analysen sollen nicht zu kurz kommen. Dank des Einsatzes von Dynatrace Cloud, sind dem Kunden keine Grenzen gesetzt, Metriken zur Performance auszulesen. Über das SAP Commerce Cloud Portal stehen einem alle bekannten Dynatrace Möglichkeiten zum Analysieren der Applikation zur Verfügung. Mehr zum Logging und Performance Monitoring finden Sie hier.

Automatisierte Skalierungsmöglichkeiten und Datenhaltung

Lösen muss man sich von der klassischen Analyse auf den Applikationsservern. Ein SSH-Zugang zu den einzelnen Knoten ist nicht vorgesehen. Skalierungsmöglichkeiten stehen bisher nur für die Produktionsumgebung zur Verfügung, die Entwicklungs- und Integrationsumgebungen sind davon erstmal ausgenommen. Grundsätzlich ist man aber darauf vorbereitet, flexibel auf Veränderungen der Besucherzahlen der Website über Skalierung zu reagieren. Dies können saisonale Bedürfnisse oder auch spezielle Marketing-Aktionen wie Black Friday sein.

Für die Datenhaltung wird MsSQL eingesetzt. Man löst sich also von der hauseigenen HANA-Datenbank, die im ersten Cloud Ansatz gewählt wurde und teilweise zu Schwierigkeiten in der lokalen Entwicklung geführt hat, da die HANA-Architektur nur für SAP zertifizierte Hardware vorgesehen ist. Ein direkter Zugriff auf die Datenbank wird nicht ermöglicht aber ebenso nicht benötigt. Hierfür übernimmt SAP das Application Operation. Klassische Flexible Search Anfragen sind weiterhin über die gewohnte SAP Commerce Cloud Administrationsoberfläche möglich.

Desaster Recovery und Snapshots

Weitere neues Features sind das Desaster Recovery sowie ein zusätzlicher Snapshot Service. Das Desaster Recovery findet Anwendung wenn das Rechenzentrum durch ein katastrophales Ereignis funktionsunfähig gemacht wird. Durch Primary und Secondary Datencenter können Kunden- und Webshopdaten im schwerwiegenden Fall wiederhergestellt werden. Zusätzlich ermöglicht es der Snapshot Service jederzeit ein komplettes Abbild der SAP Commerce Cloud Daten zu erzeugen. Sollten Komplikationen auftreten oder gewollt ein älterer Stand wiederhergestellt werden, können durch ein Rollback alle relevanten Webshopdaten inklusive Medien problemlos mit wenigen Mausklicks wieder eingespielt werden.

Continuous Upgrades

Die Release-Strategie hat sich im Vergleich zu vorherigen SAP Commerce Versionen geändert. Grundsätzlich muss bei den Update-Paketen zwischen der Commerce Cloud Infrastruktur und der Commerce Cloud Applikation unterschieden werden. Für die Applikation werden Cloud Extension Packs (CEP) auf monatlicher Basis angeboten, die sich wiederum auf die letzte große Major Release Version beziehen. Hierbei stehen neue Funktionalitäten und Bugfixes der Commerce Cloud Applikation im Vordergrund. Aber auch die Commerce Cloud Infrastruktur profitiert von einem monatlichen Updatezyklus. Hier stehen Erweiterungen an der Infrastruktur, Cloud Automatisierung, Cloud APIs und dem Cloud Portal im Fokus. Als Betreiber des Webshops werden keine manuellen Eingriffe benötigt, da die Updates automatisiert erfolgen und so direkt von den Neuerungen profitiert werden kann.

Blick in das Cloud Portal
Blick in das Cloud Portal

Microservices

Auch Microservices dürfen in der neuen SAP Commerce Cloud nicht fehlen. Aus dem von SAP getriebenen Open Source Project kyma (https://kyma-project.io) ist inzwischen die SAP Cloud Platform Extension Factory entstanden, die auf eine ereignisgesteuerte Architektur setzt und eine Plattform für Microservices stellt. Verbunden mit der SAP Commerce Cloud bietet die Extension Factory verschiedene Möglichkeiten Events weiter zu verarbeiten. Sei es durch separat deployte Microservices oder auch durch serverlose Lambdas – hier sind keine Grenzen gesetzt. Unterstützt durch ein dediziertes Cockpit, kann die Extension Factory konfiguriert und die Events sowie die Microservices dahinter entsprechend verwaltet werden.

Was erwartet uns in der Zukunft?

Nach knapp einem Jahr seit der Ankündigung auf der Sapphire Now, schärft sich das Bild, was genau SAP mit der Commerce-Cloud-Lösung aus der C4/HANA Suite vor hat. Die Cloud-Automatisierung nimmt mittels Commerce Zone Gestalt an und öffnet sich auch durch APIs zum Triggern eigener Builds mehr nach außen. Im Betrieb und Monitoring werden bekannte und bewährte Services zur Seite gestellt, die sich aber in ihrer Konfigurierbarkeit noch verbessern müssen. Mit dem Desaster Recovery und Snapshot Möglichkeiten steht der Nutzer immer auf der sicheren Seite und kann einen Rollback der Daten auf Knopfdruck anstoßen. Die Release-Strategie mit monatlichen Updates, sowohl für die Cloud Infrastruktur als auch die Commerce Applikation, verspricht den Kunden immer frühzeitig mit den neusten Funktionalitäten zu versorgen.

Für die Zukunft wird strategisch die Cloud-Automatisierung weiter vorangetrieben. Dies bedeutet verbesserte und automatisierte Deployments, Unterstützung für eine Multi-Cloud Infrastruktur und noch mehr Self-Service Möglichkeiten. So wird man nicht nur auf die Cloud Plattform von MS Azure beschränkt sein, sondern zusätzlich auch weitere etablierte Cloud Anbieter wie Amazon Web Services oder Google Cloud Platform mit ins Repertoire aufnehmen. Mit dem beschleunigten Release Zyklus der Cloud Variante verlangsamt sich aber auch der Release Zyklus der klassischen on-premises Version. Hier wird man voraussichtlich nur noch jährlich mit den neusten Commerce Features versorgt. Diese Strategie verdeutlicht den Wunsch der SAP möglichst bald alle Kunden in die neue SAP Commerce Cloud innerhalb der SAP C/4HANA Suite zu heben.

Als SAP Recognized Expertise Partner und mit unseren Experten begleiten wir Sie auf Ihrem Weg in die Cloud. Mehr zu uns finden Sie auf unserer Partnerseite SAP C/4HANA.

Quelle: https://help.sap.com/viewer/product/SAP_COMMERCE_CLOUD_PUBLIC_CLOUD/SHIP/en-US

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