Experten-Blog

Jeder leistet seinen Beitrag

  • Christian Weibel

Im nachfolgenden Text beziehe ich mich auf den Vortrag «Design in the Era of the Algorithm» von Josh Clark an der Frontendconf 2018 (siehe Video unten). Josh stellt sich die Frage, welche Rolle Design in einer Welt von Algorithmen noch haben kann. Müssen wir alle ein tieferes Verständnis für Entwicklung und Code haben? Die gute Nachricht vorweg: Nein, wir müssen keine Wissenschaftler oder Ingenieure sein, um mit Daten zu arbeiten. Verschiedene seiner Botschaften haben mich zum Nachdenken angeregt.

«Machine learning is a design material!»

Josh sagt, die Disziplin Machine Learning und alle Fragen rund um das Thema sollten nicht ausschliesslich bei Ingenieuren abgelegt werden. Es geht darum herauszufinden, wer mit den Daten bedient werden soll, wer die Daten sammelt oder wer die Antwort auf gestellte Fragen bestimmt.

Dies sind doch eigentlich eher UX-spezifische Fragen, oder?

«Intelligence as a service»

Wir können mit Daten experimentieren, sie visualisieren, präsentieren und trainieren. Viele Mittel dazu sind bereits vorhanden oder werden uns quasi vor die Füsse gelegt wie bspw. Microsoft Cognitive Services oder Amazon AWS. Die gute Frage an dieser Stelle: Wann wissen schlaue Maschinen, dass sie nicht schlau genug sind? Maschinen können nur so kompetent sein, wie das Wissen mit dem wir sie speisen. Geben wir ihnen schlechte Daten – gibt es schlechte Resultate.

«Make responsibility – the future should not be self-driving»

Wenn wir die grundsätzlichen Entscheidungen und Richtungen nicht definieren, werden es die Maschinen und die Technik für uns tun – wollen wir das? Wir haben noch das Gefühl, die Daten kontrollieren zu können und in «unserer Hand» zu haben. Eine spannende Frage: «Wie smart müsste dein Bett sein, dass du Angst hast ins Bett zu gehen?»

«It’s less about designing the happy path for success – designing for failure»

Es gibt meistens nicht nur «den Happy Path» sondern mehrere Lösungswege. Man muss ein gewisses Repertoire erarbeiten, um Edge Cases bedienen zu können. Menschen müssen dazu vordenken, was Maschinen ausführen.

«Who do the machines work for?»

Du bist das Produkt, du trainierst Daten. Egal aus welchem Fachbereich du kommst – dein Wissen und deine Persönlichkeit macht Maschinen menschlicher und du kannst deinen Beitrag dazu leisten. Wir Designer können in unserer Rolle viele Konzepte vordenken und dadurch einen grösseren Einfluss haben, als wir vielleicht denken. Aber nicht nur Designer sind gefragt. Wir müssen möglichst viele unterschiedliche Menschen involvieren, um das bestmögliche Resultat zu erhalten.

Schau mal rein auf: Mindfultechnology.com

It Takes a Village to Raise a Bot

Der Spirit der Frontend Conference in Zürich war auch dieses Jahr überwältigend. Jedes Jahr kommen in Zürich für zwei Tage Developer und User-Experience-Experten zusammen, lachen und lernen miteinander.

Als «UX-ler» an der Frontend Conference

Die Disziplinen wachsen zusammen. In den Anfängen der Frontend Conf ging es hauptsächlich um Code. Doch nach und nach kamen Themen dazu, die beim Programmieren der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine auch eine Rolle spielen: Visual Design, User Experience, Research, Leadership, diese Liste ginge noch weiter.