Mischt Amazon die Versicherungsbranche auf?

Google, Apple und Facebook: Sie alle bieten bereits einzelne Versicherungsprodukte an oder haben Pilotprojekte am Laufen. Nun kÞndigt sich ein Markteintritt von Amazon an.

Amazon sucht in Stellenanzeigen Versicherungsprofis für den Standort London – wenn möglich mit Sprachkenntnissen in Deutsch, Französisch oder Spanisch. Gesucht werden Versicherungsexperten, die «sich am Start eines neuen Unternehmens beteiligen wollen», zitiert die «Süddeutsche Zeitung» aus der Anzeige.[1] Amazon will die Kundenerfahrung aus Produktversicherungen neu definieren und dabei «disruptiv verändern, wie die Policen gekauft und verkauft werden».

Produktversicherungen für hochwertige Geräte erzielen hohe Margen. Dies zeigt Apple seit ein paar Jahren mit seinen Apple-Care-Produkten. Die Geschäftssparte Dienste, unter welcher diese Versicherungsprodukte laufen, ist nach dem iPhone der grösste Umsatztreiber im Geschäftsjahr 2017.

Markteintritt von Amazon

Und jetzt folgt Amazon: «Wir haben ehrgeizige Pläne für erhebliches Wachstum in unseren bestehenden Märkten und werden neue innovative Produkte auf den Markt bringen», schreibt der Handelsriese in der Stellenanzeige.

Kundennähe als Wettbewerbsfaktor

In der Versicherungsbranche ist die Nähe zum Kunden der zentraler Wettbewerbsfaktor, und zwar entlang des gesamten Informations- und Entscheidungsprozesses. Darin hat die Erfinderin von «Kunden die X kauften, kauften auch Y» schon lange die Nase vorne. In der «Süddeutschen Zeitung» lässt sich Patricia Davies, leitende Versicherungsanalystin bei der Londoner Analyseunternehmung Global Data, wie folgt zitieren: «Versicherer investieren in Technologie und digitale Dienstleistungen, aber die Mehrheit ist Lichtjahre hinter Amazon».

Versicherer investieren in Technologie und digitale Dienstleistungen, aber die Mehrheit ist Lichtjahre hinter Amazon.

Auch Start-ups sind seit Jahren daran, den etablierten Versicherungsgesellschaften mit neuartigen Geschäftsmodellen und Produktangeboten das Wasser abzugraben. Der Trend geht weg von der klassischen Hausratversicherung hin zu einzelnen Produktversicherungen: das eigene Mountainbike, das teure Smartphone oder die Kamera. Die deutsche Munich Re und die Schweizer Baloise Versicherung investierten dieses Jahr beide in das kalifornische Start-up Trov, eine Art On-Demand-Versicherung, die sich minutengenau an- und abschalten lässt.

Erobern disruptive Geschäftsmodelle den Kunden im Sturm?

Als Gewinner aus dem Strukturwandel werden die Versicherer hervorgehen, die den Kunden am besten bedienen. Herausforderung für traditionelle Versicherer ist allerdings, dass die Spielregeln, was Kundennähe heisst und wie man sie erreicht, mit dem Eintritt neuer Marktteilnehmer völlig neu definiert werden.

Der neue Insurance Benchmark von Unic

Im Insurance Benchmark 2017 hat Unic traditionelle und disruptive Geschäftsmodelle von Versicherern unter die Lupe genommen. Wie kundennah sind die traditionellen Versi-cherer in der digitalen Welt unterwegs? Welche neuen Spielregeln stellen die Disruptoren im Bereich Kundennähe auf?

[1] Alle Zitate stammen aus der «Süddeutschen Zeitung»: «Versichert von Amazon»