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E-Commerce Report 2018 – Wandel und Trends im digitalen Handel

Prof. Ralf Wölfle von der FHNW hat am Digital Nudge Day 2018 die Ergebnisse des zehnten Schweizer E-Commerce Report präsentiert. In der aktuellen Ausgabe 2018 steht neben der Entwicklung des E-Commerce im Schweizer Markt der Umgang mit den grossen internationalen Playern im Zentrum. Die Studie zeigt Herausforderungen und Trends im digitalen Handel in der Schweiz und illustriert, dass sich die Neuerfindung des Handels nicht auf das Internet beschränkt, sondern Grenzen von Kanälen sprengt.

Prof. Ralf Wölfle hat am Digital Nudge Day 2018 die wichtigsten Erkentnisse aus dem 10. E-Commerce-Report präsentiert
Prof. Ralf Wölfle hat am Digital Nudge Day 2018 die wichtigsten Erkentnisse aus dem 10. E-Commerce-Report präsentiert

Download E-Commerce-Report

Auftraggeberin der Studienreihe ist die Datatrans AG in Zürich. Datatrans ist der Payment-Spezialist für anspruchsvolle und massgeschneiderte Zahlungslösungen – Das Kompetenzzentrum in Sachen E-Payment. 

Der Schweizer E-Commerce Report 2018 und die älteren Ausgaben können auf der Website www.e-commerce-report.ch kostenlos runtergeladen werden. 

Das Marktvolumen im Detailhandel ist rückläufig
Das Marktvolumen im Detailhandel ist rückläufig

Das Marktvolumen im Detailhandel ist rückläufig

Das Marktvolumen des Detailhandels Schweiz war 2017 CHF 91'900 Mio. wovon CHF 8'850 Mio. (9.6%) Schweizer Einkäufe im Versandhandel waren. Der VSV kommuniziert nur 7.6%, da die ausländischen Anbieter in ihrer Erhebung nicht berücksichtigt werden. Die Differenz ergibt sich aus den 2% der ausländischen Anbieter.

Wenn wir die Zahlen in der 5-Jahres-Periode vergleichen (2012 bis 2017), zeigt sich, dass das gesamte Detailhandelsmarktvolumen um 5% gesunken ist, während der Anteil des gesamten Versandhandels um 53% gestiegen ist. Auf den ersten Blick sind das gute Nachrichten für den Versandhandel. Der Anteil der Schweizer Anbieter ist um 47% gestiegen.

Auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch, dass ausländische Anbieter wie Amazon, JD.com und Alibaba einen immer grösseren Teil des Kuchens erobert. Ihr Anteil ist um 164% gestiegen – von CHF 700 Mio auf CHF 1'850 Mio. Die ausländischen Anbieter sind in den letzten fünf Jahren fast dreimal schneller gewachsen. 

Der Druck auf stationäre Händler wächst 

Viele traditionelle Händler erwarten, dass die Kunden zu ihnen ins Geschäft kommen und erst wenn die Kunden im Laden sind, ist für den Kunden die gesamte Produktpalette sichtbar. Die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit wird unterstützt durch das klassische Schaufenster. Diese Ladengeschäfte haben es in den letzten 20 Jahren nicht geschafft, an das Online-Verhalten des Kunden anzuknüpfen. Die stationären Händler geraten nicht nur durch die veränderten Erwartungen der digital affinen Kunden unter Druck: Onlinehändler setzen in Zukunft auch auf stationäre Läden.

Digitec ist in der Schweiz hier Pionier. Aber auch Amazon setzt auf das gleiche Konzept. Sie setzen einen neuen Benchmark in der Gestaltung des Ladensortiments und der Kundenbedienung vor Ort. Bei Digitec können im Gegensatz zum Interdiscount keine Produkte in den physischen Einkaufskorb gelegt und vor dem Verlassen des Lokals bezahlt werden.

Sehr irritierend für einen Kunden, der nur das traditionelle Ladengeschäft kennt. Digitec, als Onliner hat die angebotenen Services und ausgestellten Produkte minutiös geplant. Er funktioniert in einem Netz über alle Kanäle. «Unstoring the store» – die physischen Verkaufsstellen übernehmen neue Funktion in der Customer Journey bei den Onlinern.

Online-Händler verstehen sich als Technologieunternehmen 

Das traditionelle Ladengeschäft hat zwei Potenziale: Die Ware muss an die Onlinesuche angebunden sein und die Ware muss für das lokale Nahbereichs-Fulfilment bereit gestellt werden. Zalando hat sehr niederschwellige Möglichkeiten geschaffen, um lokalen Anbieter als Fulfilmentpartner zusätzliches Geschäft zu bringen. Der lokale Anbieter verliert zwar den Kontakt zum Kunden, kann aber seine Ressourcen besser auslasten. Die Plattformökonomie findet hier Anwendung. 

Gebündelte Angebote können ein Vorteil für stationäre Geschäfte sein

Zalando hat immer noch zwei bis fünf Tage Lieferzeit. Schweizer Anbieter haben weiterhin den Vorteil der Nähe. Ausländische Anbieter haben bessere Preise aber eine längere Lieferzeit. Das kann durchaus ein Wettbewerbsvorteil für die Schweizer Anbieter sein. Entsprechend wird eine smarte Logistik zum Differenzierungsfaktor. Die meisten Online-Händler haben ihre Logistik an die Schweizerische Post ausgelagert. Aber die Schweizerische Post arbeitet auch für die ausländischen Mitbewerber.

Die Differenzierung in der Logistik ist mit der Post als Partner sehr schwierig. Was ist die Alternative? LeShop hat mit der Post den Lebensmittellieferdienst aufgebaut. Heute nutzt auch Zalando diesen Abendlieferdienst. Entscheidend ist die eine passende Option für das differenzierte Kundenbedürfnis. Zum Beispiel Farmy bietet eine smarte Logistik: Präzision, Nähe, keine Verschwendung und kostenlose Lebensmittellieferung mit eigenen Mitteln zu mit dem Kunden vereinbarten Zeitfenster.

Farmy als Beispiel für eine smarte Logistik
Farmy als Beispiel für eine smarte Logistik

Smarte Logistik wird zum Differierungsfaktor

Smarte Selfservice sind nicht so einfach. Einfacher ist es, wenn der Kunde einen Service ohne einen Bezahlvorgang nutzen kann: Seamless Payment ist ein Prinzip, das heute bereits von Fairtiq, Uber, Amazon Go angeboten wird.

Fazit

Die Herausforderungen für den Handel werden nicht weniger. Aktuell besteht das Risiko des Rückfalls in den sich öffnenden Markt. Es gilt, Differenzierungspotenziale auszulosten – im stationären aber auch im Online-Handel. 

Die Slides der Präsentation von Prof. Ralf Wölfle vom Digital Nudge Day 2018 finden Sie hier