Testing beim Flughafen Zürich
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Trivandrum – Wrocław – Bern: Drei Länder – ein Testing-Team

  • Cléa Fierz

Zwei Zeitzonen, drei Länder, drei Muttersprachen – und keine davon ist Englisch. Wie arbeitet man in einer solchen Konstellation zusammen, ohne dass man sich missversteht oder aneinander vorbeikommuniziert? Unsere Testmanagerin Romy Maurer-Wysseier erzählt im Interview von den Erfahrungen, den Herausforderungen und den positiven Aspekten der internationalen Zusammenarbeit beim Testing-Team für den Relaunch des Flughafens Zürich. Ein Projekt, das Testerinnen vom IT-Dienstleister PITS aus Indien sowie Testerinnen von Unic aus Polen und der Schweiz zusammenbrachte.

Testerinnen aus drei verschiedenen Ländern treffen aufeinander

Liebe Romy, Qualitätssicherung über verschiedene Zeitzonen hinweg: Wie müssen wir uns das vorstellen?

Romy Maurer-Wysseier: Der Zeitunterschied zwischen Indien und der Schweiz beträgt im Sommer glücklicherweise 'nur' 3.5 Stunden. Im Winter beträgt er 4.5 Stunden. Wenn das Team in Indien um 9 Uhr startet, ist es bei uns noch 5.30 Uhr beziehungsweise 4.30 Uhr in der Früh. Dies hat zur Folge, dass ich um kurz vor 8 Uhr, wenn mein Arbeitstag startet, bereits mit einem Haufen Fragen konfrontiert werde. Brauche ich zur Beantwortung dieser Fragen andere Projektmitgliederinnen und -mitglieder, kann es schon zu grösseren Verspätungen beim Testing kommen, da bei uns nicht alle bereits frühmorgens auf der Matte stehen (lacht).

Problematisch wird es, wenn über Nacht mit dem Deployment etwas schiefgeht. Dann sind die Testerinnen in Indien auch mal über mehrere Stunden blockiert, bis die Entwicklerinnen und Entwickler, die bei diesem Projekt in der Schweiz sowie in Polen sind, den Fehler beheben können. Diese Herausforderung hatten wir auch schon auf früheren Projekten. Daher sind die Stabilität und die Qualität der Nightly Builds, der automatisierten nächtlichen Deployments, entscheidend für den Erfolg des Testings in Indien.

Wie war das Projektteam aufgestellt? Wie habt ihr euch organisiert?

Wir waren ein reines Frauenteam mit Mitarbeiterinnen aus drei Ländern:

Schweiz

  • Romy Maurer-Wysseier als Testmanagerin

Polen

  • Karolina Marczak als Senior Test Engineer und Test Automizer
  • Klaudia Kaczmarekt als Test Engineer

Indien, Mitarbeiterinnen von unserem Partner PITS

  • Sreerekha Sreeragam als Testerin
  • Thara Nair als Testerin
Links im Bild sehen Sie Sreerekha und Thara neben Romy Maurer-Wysseier.
Links im Bild sehen Sie Sreerekha und Thara neben Romy Maurer-Wysseier.

Sreerekha und Thara habe ich bei meinem Besuch in Trivandrum im Frühling 2019 persönlich kennengelernt. Thara, die die Testleitung vonseiten PITS innehat, hatte gleichzeitg wie Sreerekha bereits auf Unic-Projekten gearbeitet. Bei einem Projekt war ich auch mit am Start, damals noch als Frontend Engineer. Sreerekha hatte daher meine Arbeit getestet.

Mit den Testerinnen in Polen arbeiten wir sehr viel zusammen, und darum ist es wichtig, dass wir uns immer wieder sehen. Da wir für den Relaunch des Flughafens Zürich ein grosses Team mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Frontend, Backend und Testing in Wrocław hatten, war es für den Teamspirit essenziell, uns auch persönlich zu treffen. Deswegen kam einmal das Team aus Polen nach Zürich, und wir aus der Schweiz waren zweimal in Wrocław. Diese Tage sind jeweils sehr bereichernd für uns alle und geben dem Projekt einen ordentlichen Boost!

Beim Start des Flughafenprojekts kannte ich zwar alle bereits, aber die Teamkonstellation war auch für mich neu. Daher mussten wir uns als Team erst finden, was aus der Distanz nicht immer ganz einfach ist.

I appreciate their work and wish I had support like that on other projects.

Persönliches zu erzählen, schweisst zusammen

Wie konntet ihr euch als Team konstituieren?

Mein Besuch in Trivandrum vor Projektstart hat sicher sehr geholfen, die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit zu legen. Ich konnte die Menschen kennenlernen und entsprechend schulen. Und wie bereits erwähnt, sind die beiden Testerinnen schon lange bei PITS und auch bei Unic mit an Bord. Sie sind vertraut mit unserer Art der Projektarbeit.

Zudem sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von PITS es sich gewohnt, für Schweizer Kundinnen und Kunden zu arbeiten. Das heisst, sie kennen unsere spezifischen Schweizer Eigenheiten (lacht). Konkret bedeutet das:

  • Sie sind extrem pünktlich.
  • Sie sprechen (meist) deutlich und langsam Englisch, da wir als Schweizerinnen ansonsten nicht den geringsten Hauch einer Chance haben, ihr indisches Englisch zu verstehen.
  • Sie sind sich des Zeitunterschieds bewusst und fangen meist 'erst' gegen 9 Uhr Ortszeit an zu arbeiten, damit die gemeinsame Arbeitszeit nicht zu kurz ausfällt.
  • Sie trauen sich problemlos, sich auch mit anderen Projektbeteiligten, wie Projektleiterinnen, Backend-Entwicklern, Frontend-Entwicklerinnen oder andere Testern, abzusprechen.
  • PITS hat für indische Verhältnisse sehr treue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Arbeitsverhältnisse von mehr als fünf Jahren sind keine Seltenheit. Ein Indiz dafür, wie gut PITS mit seinen Angestellten umgeht. Dies hilft uns dabei, stabile Teams mit ihnen bilden zu können.
Was war entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit?

Entscheidend für unsere erfolgreiche sowie persönliche Zusammenarbeit auf dem Projekt war unser wöchentliches Meeting. Um die räumlichen und kulturellen Distanzen überwinden zu können, liessen wir am Ende des Meetings jeweils unser 'Glücksrad' laufen. Dieses entschied nach dem Zufallsprinzip, welche der fünf Mitarbeiterinnen aus dem Testing-Team etwas aus ihrem Privatleben erzählen durfte. So lernten wir uns nach und nach besser kennen und konnten einen gemeinsamen Teamspirit entwickeln.

Das Glücksrad bestimmt, wer am Ende des Meetings etwas Persönliches von sich erzählen darf.
Das Glücksrad bestimmt, wer am Ende des Meetings etwas Persönliches von sich erzählen darf.
Being a part of the Airport-QA team was a great opportunity and we were very happy to work on a really amazing project with a diverse group of very passionate and skilled people.

Begegnung auf Augenhöhe

Welche kulturelle Hürden habt ihr überwinden müssen?

Bei fünf Testerinnen aus drei unterschiedlichen Ländern liegt es nahe, dass wir alles in Englisch besprochen und geschrieben haben. Englisch ist jedoch für uns alle eine Fremdsprache, da kann es zu Missverständnissen kommen. Auf dem Flughafenprojekt hat die Kommunikation aber immer gut geklappt. Vielleicht lag das daran, dass wir uns alle auf Augenhöhe begegnet sind.

Oft werden in Digitalprojekten die indischen Testerinnen und Tester 'nur' als ausführende Kraft gebraucht. Sie testen vorgefertigte Testfälle in Fleissarbeit durch und melden Abweichungen davon als Fehler. Auf dem Flughafenprojekt war die Zusammenarbeit mit PITS eine ganz andere. Thara und Sreerekha haben die Testfälle auf Basis der Spezifikation mitentwickelt. Sie hatten keine Angst davor, kritische Fragen zu stellen. Dies hat mich enorm gefreut, und unter anderem hat mir deswegen die Zusammenarbeit mit ihnen so viel Spass gemacht.

Anders wäre es auch gar nicht möglich gewesen, da auf dem agilen Flughafen-Projekt die Spezifikation viel zu dynamisch für starre Testcases gewesen wäre.

Development team's willingness to help us to sort out issues, was highly appreciated.

Wie das Testing erfolgreich wird

Die letzten Monate vor Go-live der Flughafen-Plattform waren geprägt von der Corona-Krise. Hat die Pandemie auch beim Testing-Team ihre Spuren hinterlassen?

Wir hatten das grosse Glück, dass PITS für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Notebooks organisieren konnte. So konnten Thara und Sreerekha von zu Hause arbeiten und sich auf diese Weise vor dem Virus schützen. Da bei ihnen zu Hause aber die Internetverbindung schlechter ist als im Büro, konnten wir während der Meetings die Videoübertragung nicht mehr einschalten. So hatten wir uns leider nicht mehr 'gesehen', doch der guten Zusammenarbeit tat dies zum Glück keinen Abbruch.

Wie sah eure Zusammenarbeit im Alltag aus? Was ist dir besonders positiv in Erinnerung geblieben?

Der Zeitdruck auf dem Projekt war gross. Darum war es enorm wichtig, dass wir gewisse Fälle nicht doppelt testen und andere Fälle dafür vergessen gehen. So hatte jede von uns einen eigenen Bereich zu verantworten. Bei der Aufteilung der Bereiche war oft die Sprache ausschlaggebend, da wir ja keine starren Testcases geschrieben hatten, sondern anhand der Spezifikation testeten.

So haben ich und meine Kolleginnen in Polen uns auf die Flughafen-spezifischen Backend-Funktionalitäten konzentriert. Es war für uns viel einfacher, auf die Entwicklerinnen und Entwickler in der Schweiz und in Polen zuzugehen und ihnen in unserer jeweiligen Muttersprache Fragen zur Spezifikation zu stellen.

Sreerekha und Thara haben sich dafür mit grossem Engagement um das Testing des Frontends gekümmert und es akribisch mit dem Design abgeglichen. Ihr intensives Endgerät- und Client-Testing bedeutete für uns einen massiven Mehrwert. Denn genau das Testing auf den Endgeräten wird im Projektendspurt immer enorm knapp. Dank unseren Testerinnen in Indien konnten wir viel testen, ohne das Budget für die Qualitätssicherung zu stark zu strapazieren.

Gerade diese Thematik ist für mich als Testmanagerin nicht immer ganz einfach. Auf der einen Seite möchte ich jeden noch so kleinen Bug finden, was natürlich nicht möglich ist. Auf der anderen Seite steht auch hinter der Qualitätssicherung immer ein Budget, welches eingehalten werden muss. Es gibt Kundinnen und Kunden, die diese Aufwände stark hinterfragen, weil das Testing für sie keinen direkt sichtbaren Mehrwert bietet. Einige versuchen dann, das Testing selber zu machen. Meist endet dies in stressigen Hotfixes und einer schlechten Kundenzufriedenheit. Wir sind daher sehr dankbar, dass immer mehr Kundinnen und Kunden ein gutes Verständnis von unserer Arbeit haben und diese auch zu schätzen wissen. Es steckt eben so viel mehr dahinter als 'ein bisschen Testen'.

Flughafen Zürich Hochmoderne Multisite-Plattform

Mit technologisch hochinnovativen Lösungen und einer klaren UX-Ausrichtung decken wir mit der neuen Multisite-Plattform die gesamte Systemlandschaft des Flughafens Zürich ab und begegnen somit den vielfältigen Bedürfnissen.