Experten-Blog

Headless Commerce – Ein Schritt in Richtung Service

  • Unic-Autor

Der Begriff «Headless» ist seit einiger Zeit in aller Munde, doch was bedeutet er für den E-Commerce-Sektor? Dieser Blogpost nimmt sich der Frage an und geht auf die Vorteile von Headless für Digital-Commerce-Projekte ein.

Headless: Trennung von Frontend und Backend

Hinter «Headless» verbirgt sich ein neuerer Architekturansatz, der Frontend und Backend komplett voneinander trennt. Die beiden Teile kommunizieren über eine standardisierte Schnittstelle (API) wie REST oder GraphQL, die auch eine einfachere Integration von Drittsystemen ermöglicht. Folglich können die getrennten Systemteile unabhängig voneinander verändert und weiterentwickelt werden.  

Anders als bei klassischen Systemen trägt der Headless-Lösungsansatz der Tatsache Rechnung, dass Frontend und Backend unterschiedliche Ziele verfolgen: Während das Frontend (= «the Head») zum Ziel hat, dem Anwender Informationen übersichtlich zu präsentieren und Interaktionen intuitiv zu gestalten, ist das Backend für die Abwicklung komplexer Prozesse verantwortlich.

Die heutigen Systeme, ob CMS oder E-Commerce, sind meist organisch gewachsen und haben in ihrem Lebenszyklus an Funktionen dazugewonnen. Damit ist auch ihre Komplexität gestiegen mit der Folge, dass Themen wie Wartbarkeit, Abhängigkeiten und Performance in Projekten eine hohe Beachtung voraussetzen. Genau diese Themen können durch eine flexible Headless-Architektur adressiert werden.

E-Commerce trifft Headless: Potenziale entfalten

Im E-Commerce-Sektor hat die Ambivalenz zwischen den beiden Komponenten Storefront (Frontend) und Bestellabwicklung (Backend) schon immer eine grosse Rolle gespielt. Denn im E-Commerce soll sich der Kunde einerseits in seiner gewohnten Customer Journey wiederfinden, andererseits müssen komplexe Verwaltungsprozesse wie Lagerverwaltung, Lieferungsabwicklung und Bestellprozesse schnell und verlässlich bearbeitet werden. Gleichzeitig müssen auch Anpassungen an Kundenwünsche intuitiv und zeitnahe möglich sein.

Die Kunden von heute und morgen wollen aus verschiedenen Kanälen Zugriff auf die Produktpalette ihrer Händler haben. Eine moderne E-Commerce-Lösung bedient deshalb im besten Fall die verschiedenen Bedürfnisse von Internet of Things (IoT), Mobile, Sprachassistenten, in-App-Käufen oder Desktop flexibel. Und an dieser Stelle entfaltet das Headless-Konzept sein volles Potenzial: Headless ist in der Lage, sowohl eine flexible Grundlage zu liefern, als auch auf die Bedürfnisse der einzelnen Verkaufskanäle und ihrer spezifischen Customer Journey einzugehen.

Wo ist Headless Commerce zielführend?

Bei Headless kommunizieren sämtliche Frontend-Komponenten über eine standardisierte API. Jeder Kanal kann deshalb über eine Schnittstelle auf die Kernsysteme (ERP, PIM, CRM etc.) zugreifen. Dadurch kann die User Experience komplett frei und kanalübergreifend konsistent definiert werden. Anpassungen im Frontend lassen sich ohne grosse Abhängigkeiten durchführen, und die Performance auf den Endsystemen wird durch die lose Kopplung verbessert.

Zu beachten ist allerdings, dass mit dem initialen Aufbau einer Headless-Architektur aufgrund der zusätzlichen Freiheit eine höhere Komplexität einhergeht. Diese wird jedoch über die Zeit durch die einfachen Anpassungsmöglichkeiten und die Flexibilität mehr als kompensiert.

Um eine Antwort auf die Frage zu erhalten, ob für ein E-Commerce-System der Headless-Commerce-Ansatz der richtige ist, muss deshalb geklärt werden, ob die Vorteile aus der Flexibilität die initialen Aufwände rechtfertigen. Hierzu sollten die Grösse des Zielmarktes und die abzudeckenden Sales Channels identifiziert werden, inkl. der Umsysteme wie CMS, CRM, DAM, PIM, E-Mail, Versand, Finanzen etc. Denn mit jedem System steigen die Synergien und somit die Vorteile, die aus der bereits vorhandenen Headless API gezogen werden können.

B2B-Visionen mit Headless Commerce

Mit dem Finden eines passenden Backend- und Frontend-Systems und der Definition eines API-Standards ist der Grundstein für ein Headless-Commerce-Projekt gelegt. Danach können nach Bedarf beliebige Sales Channels bedient werden – unabhängig, ob dies eigene Kanäle oder Partnerkanäle sind.

Die nachfolgenden Beispiele illustrieren die Flexibilität, welche eine Headless-Implementierung im B2B-Sektor ermöglicht. Durch die Bereitstellung von Services über Schnittstellen, die nicht nur für den eigenen Online-Shop, sondern auch für Drittsysteme und Partner funktionieren, können bedeutende Vorteile erzielt werden:

  • Indirekter Vertrieb: Im B2B-Business wird der eigentliche Verkauf von Produkten oftmals indirekt von einer Vielzahl an Resellern mit unterschiedlichen Ausrichtungen erfüllt. Damit nicht jeder Reseller sein eigenes, umfassendes Commerce-System entwickeln muss, können die Kernprozesse wie auch der Produktstamm inkl. Lager und Lieferdaten über eine API den Resellern zur Verfügung gestellt werden. Diese wiederum können die Services auf ihrer Web-Plattform flexibel integrieren.

  • Weg vom Browser: Verkauf findet immer weniger in unmittelbarer Nähe des Browsers statt. Ein Beispiel dafür ist der intelligente Einkaufsautomat, der seine Warenbestände selbstständig überwacht und bei Bedarf über die API eine Nachbestellung ans Backend auslöst. Der Automat kann dabei an einem beliebigen Standort platziert werden. Dasselbe Prinzip funktioniert auch bei intelligenten Ladenregalen, welche Verkäufe und Lagerbestände selbstständig überwachen und Leerstände durch automatische Nachbestellung verhindern. 

  • Erschliessung neuer Verkaufskanäle: Die Integration in bereits bestehende Systeme ermöglicht das Erschliessen neuer Vertriebskanäle. So können beispielsweise von einem Hersteller angebotene Möbel und Einrichtungsgegenstände über eine Schnittstelle an ein Einrichtungstool übertragen werden. Der Architekt möbliert das gewünschte Objekt in der Software. Im Anschluss kann er mit einem Knopfdruck eine Offerte für die verwendete Einrichtung anfordern. Der Endkunde ändert schliesslich noch die Farbe des Möbelstücks und löst die Bestellung im gleichen Tool aus.

Mit einem Headless-Commerce-System kann effizient und flexibel auf die Bedürfnisse des Marktes und der Nutzer eingegangen werden. E-Commerce-Brands können Inhalte, Produkte oder Payment Gateways somit einfacher und schneller für neue Verkaufskanäle wie Marktplätze, POS Screens oder Smart Watches bereitstellen. 

Headless Commerce mit Unic

Unic realisiert bereits heute eine Vielzahl von Commerce-Lösungen auf Basis von Headless-Architekturen. Mit SAP Commerce Cloud, Sitecore Commerce (XC), Magento Commerce und Drupal Commerce stellen wir unterschiedliche Produkte mit umfangreichen Features bereit, um uns den Bedürfnissen Ihres Projektes anzunehmen und es zum Erfolg zu bringen. Gerne beraten wir Sie mit einem interdisziplinären Team aus Experten in den Bereichen Business und Architektur Consulting, UX Architektur und Design, Software-Entwicklung, Qualitätssicherung und Betrieb.

Mehr zu Headless in unserem Dossier

ECC Studie: Abenteuer, Nervenkitzel oder Risiko?

Schnäppchen aus Fernost stehen hoch im Kurs. Marktplätze wie Wish, Aliexpress oder Joom locken immer mehr Kund*innen zu sich. Da werden auch lange Lieferzeiten, eventuell anfallende Zollgebühren oder mangelnde Qualität in Kauf genommen. Wo liegt der Schlüssel zum Erfolg?