Experten-Blog

SAP Spartacus - die Storefront für modernen E-Commerce

Im Zuge einer langfristig gedachten Transformation hat die SAP bereits 2018 die Weichen auf mehr Flexibilität gestellt und für die SAP-Commerce-Plattform Modularität versprochen. Das deutsche Softwareunternehmen führte damals innerhalb der SAP Commerce Cloud, früher SAP Hybris, die Storefront Spartacus ein. Was aber macht das neue Frontend anders? Was sind dessen Besonderheiten, was die Vorteile?

Headless-Architektur

Die gravierendste Neuerung ist die Entkopplung des Frontends. Das alte Frontend, der fest integrierte Accelerator, stellt User:innen HTML-Templates zur Verfügung, die eng mit der Logik des Backend-Systems verknüpft sind. Spartacus funktioniert dagegen auf Basis einer Headless-Architektur – sprich, das Frontend ist technisch vom Backend-System losgelöst. Entwickler:innen beider Systemwelten können vollständig getrennt voneinander neue Features einspielen. Mit der Headless-Architektur sind nicht nur individuelle Release-Zyklen Standard, kleine kosmetische Anpassungen erfolgen endlich zeitnah.

Major Frameworks

Da sich die Frontend-Technologien in den letzten Jahren rasant entwickelt haben, erwarten Entwickler:innen heutzutage JavaScript-Frameworks wie Angular, React oder Vue.js. Ein Grund, warum SAP die Commerce REST APIs überarbeitet hat. Sie sind mit jeder gängigen Storefront-Technologie kompatibel. Moderne Frontends lassen sich dank des Framework Angular relativ einfach realisieren. Und neben Angular baut Spartacus anstelle von klassischen Templates auf Bibliotheken auf. Vorteil dabei: Eigens entwickelte Erweiterungen, Services sowie Anpassungen sind in Spartacus kompatibel und zügig realisierbar.

Open Source

SAP will ähnlich wie Microsoft in Sachen Softwareentwicklung zukünftig neue Wege beschreiten. So entwickelt SAP Spartacus zwar innerhalb des SAP-Commerce-Teams selbst, veröffentlicht das Produkt allerdings unter einer Open-Source-Lizenz. Kund:innen profitieren so von der gesamten Entwicklungsarbeit; seitens SAP sowie von den Ideen der Community. Die Storefront genießt gleichzeitig drei wesentliche Vorteile der Open-Source-Welt: kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems, individuelles Testing sowie stetige Modifizierungen und Verbesserungen des bereits Entwickelten. Ebenfalls erwähnenswert ist die Kontaktmöglichkeit mit den SAP-Entwickler:innen und Produktmanager:innen. Kund:innen und Partner:innen erhalten Zugang zum Spartacus-Team und haben so direkten Einfluss auf die Priorisierung neuer Funktionen. Der gesamte Code der Spartacus Storefront ist auf Github einsehbar, inklusive der Dokumentation.

Frontend-unabhängig

Da Spartacus von der SAP Commerce Cloud entkoppelt ist, ist der Einsatz der neuen Storefront nicht zwingend mit der SAP Commerce Cloud vorgeschrieben. So ist es beispielsweise denkbar, klassische Content-Management-Systeme einzubinden. Als Beispiel ist das CMS von Contentful zu nennen, welches bereits passende Schnittstellen zu SAP anbietet.

Progressive Web Application

Um tatsächlich die gesamte Customer Journey abzubilden und Kund.innen an jedem möglichen Touchpoint abzuholen, mussten Unternehmen bis vor Kurzem noch zusätzlich Web-Applikationen und Services entwickeln. Dieser Aufwand reduziert sich dank Angular-basiertem Framework drastisch. Shopbetreiber können ohne Aufwand mittels Progressive Web Application (PWA) responsive Websites und native Apps zu einer All-in-One-Technologie zusammenführen. PWAs vereinen die Bedienbarkeit und Leistungsfähigkeit einer Website mit Funktionalitäten einer App – inklusive Funktionen wie Offline-Fähigkeit, HTTPS-Sicherheit und sind Endgerät-unabhängig.

Cloud/Sicherheit

Keine Frage, gepaart mit Spartacus bietet SAP Commerce Cloud eine hoch skalierbare Suite für den Onlinehandel. Und für einen reibungslosen Betrieb sorgt Microsoft mit seiner Businesslösung Azure, in der die Handelsplattform Datenschutz-konform gehostet ist. Shop- und Web-Werkzeuge stehen nun gemeinsam zur Verfügung, ohne zusätzliche Services buchen zu müssen – egal ob es ums Erstellen, Bereitstellen, Verwalten oder Überwachen geht. Und dank der stetigen Weiterentwicklung von Angular durch Google und dem Team der SAP Commerce Cloud fließen die neuesten Sicherheitsfeatures direkt mit in das Projekt ein.

Technisch betrachtet kann das Frontend dank der entkoppelten Architektur separat skalieren. Zudem sind Microservices nicht nur leichter zu realisieren, sie lassen sich bei geschäftsbedingten Peaks ebenfalls bedürfnisorientiert modifizieren. Stichwort Kyma runtime – ein weiteres Open-Source-Projekt aus dem Hause SAP. Es lässt sich leicht an Softwarelösungen andocken und überwacht unter anderem Prozesse wie Authentifizierung, Protokollierung, Alarmierung sowie die Prozesse selbst. Da es ebenfalls auf Kubernetes aufbaut, kann Kyma über eine API-Schnittstelle auf Veränderungen in SAP Commerce reagieren und beispielsweise verknüpfte Microservices starten. Vorteil: War man damals noch auf die SAP-Entwickler angewiesen, ist dank der Cloud eine Änderungsanforderung nicht mehr nötig. Jede Umgebung befindet sich in Microsoft-Azure und verfügt über ein eigenes Kubernetes-Cluster, welches wiederum die einzelnen Umgebungen verwaltet beziehungsweise koordiniert. Sprich, unabhängige Deployments sind endlich möglich und Entwicklerteams sind nicht mehr von den SAP-Release-Zyklen abhängig.

Content Delivery Network

Natürlich erlaubt das Gesamtsystem auch Optimierungen mittels Content Delivery Network (CDN). Unternehmen halten ihre datenintensive Medien einfach Standort-bezogen via Caching vor und reduzieren so automatisch die Traffic-Last sowie die Kosten für die jeweilige Datenabfrage. Durch die Bereitstellung von Inhalten mithilfe eines nahegelegenen CDN-Servers sind Latenzen, also Verzögerungen beim Laden von Website-Inhalten, minimal. Sprich, Spartacus spielt Medien wie HTML-Seiten, Javascript-Dateien, Stylesheets, Bilder und Videos performant aus. Mittlerweile sind solch lokale Data Stores bei DAM- und PIM-Systemen Standard. Vorteile allgemein: zügiger Seitenaufbau, überschaubare Traffic-Kosten, hohe inhaltliche Verfügbarkeit (Redundanz) sowie zusätzliche Sicherheit (DDoS-Abwehr).

Fazit SAP Commerce und Spartacus

Der Vorteil von Spartacus ist, bezogen auf SAP Commerce, die generell dadurch gewonnene Innovationskraft. Denn neben der Headless-Architektur und der individuellen Handhabung während der Softwareentwicklung ist zweifelsohne die Cloud der treibende Faktor im Onlinehandel. Strategien wie "time to market" zwingen Unternehmen dazu, ihre Shop-Systeme immer flexibler auszurichten. Eine zentrale Verwaltung der E-Commerce-Anwendungen inklusive hoch performante Skalierbarkeit sind starke Argumente; eine zügige und bedarfsgerechte Nutzung neuer Microservices runden das Dafür ab.

Wahl des Frontend: SAP Accelerator vs. Spartacus

Die SAP Commerce Platform bietet insgesamt drei Optionen in Sachen Storefront an. Entscheider:innen können das Frontend entweder mit altbewährten SAP Commerce Accelerators starten und realisieren. Auf die noch recht junge Spartacus-Storefront setzen. Oder natürlich ein maßgeschneidertes Frontend entwickeln lassen.

ECC Forum – wir waren dabei

Am 29. und 30. September 2021 haben wir am ECC Forum Digital als Speaker teilgenommen. Wie gewohnt präsentierten wir den Teilnehmer:innen hochwertigen Content zum Thema Customer Journeys.