Zwei Ingenieur:innen mit Schutzhelmen stehen in einer Produktionshalle und betrachten gemeinsam ein Tablet, während sie industrielle Anlagen im Hintergrund überwachen.

Kundenportale, E-Commerce und Content-Plattformen

Jörg NölkeFebruar 2026

In Kürze

  • Kundenportale: Self-Service, After-Sales und die Integration von Produkt-, Service- und Kundendaten als zentrale Touchpoints 

  • E-Commerce: Komplexe Produktkonfigurationen, kundenspezifische Preise und ERP-Integration (Punchout, OCI) als Besonderheiten im Manufacturing 

  • Content-Plattformen: Technische Dokumentation, Mehrsprachigkeit und Personalisierung nach Branche, Rolle und Kontext 

Kundenportale im Manufacturing 

Kundenportale sind zentrale Touchpoints für die digitale Interaktion zwischen Manufacturing-Unternehmen und ihren Kunden. Sie bündeln Informationen, Prozesse und Services an einer Stelle und ermöglichen Kunden, selbstständig auf relevante Inhalte zuzugreifen und Prozesse anzustoßen. 

Self-Service, Serviceprozesse und After-Sales 

Moderne Kundenportale ermöglichen Self-Service-Funktionen, die Kunden Autonomie geben und gleichzeitig interne Ressourcen entlasten. Kunden können eigenständig Serviceanfragen erstellen, den Status ihrer Anlagen einsehen, Wartungsberichte abrufen und Ersatzteile bestellen. Diese Funktionen sind besonders wertvoll, wenn sie rund um die Uhr verfügbar sind und keine Medienbrüche erfordern. 

After-Sales-Prozesse wie Reklamationen, Rückgaben oder Garantieabwicklungen lassen sich über Kundenportale transparent und nachvollziehbar gestalten. Kunden sehen den Status ihrer Anfragen, erhalten automatische Benachrichtigungen und haben Zugriff auf alle relevanten Dokumente. Dies reduziert Nachfragen und schafft Vertrauen durch Transparenz. 

Ein Unic Kundenportal-Projekt: Was wir konkret umgesetzt haben 

Bei einem Schweizer Hersteller von Industrieventilen haben wir ein Kundenportal konzipiert und implementiert, das Self-Service, Ersatzteilbestellung und Service-Ticketing in einer Lösung vereint. Die Besonderheit: Wir integrierten die Maschinenstammdaten aus dem ERP direkt ins Portal, sodass Kunden anhand ihrer Maschinennummer automatisch die passenden Ersatzteile, Dokumentationen und Wartungshistorien sehen. 

Die größte technische Herausforderung war die Echtzeit-Synchronisation der Preise: Unser Kunde hatte über 40'000 kundenspezifische Preisvereinbarungen in SAP. Wir lösten dies über eine Middleware-Schicht, die Preisanfragen in unter 200ms beantwortet.

Ergebnis nach 12 Monaten:

  • 62% weniger telefonische Bestellungen

  • 41% Umsatzsteigerung im Ersatzteilgeschäft

  • Kundenzufriedenheit im After-Sales um 24 NPS-Punkte gestiegen

Integration von Produkt-, Service- und Kundendaten 

Die Wertschöpfung eines Kundenportals entsteht maßgeblich durch die Integration verschiedener Datenquellen. Produktdaten aus PIM-Systemen, Serviceinformationen aus CRM-Plattformen, Bestellhistorien aus ERP-Systemen und technische Dokumentationen aus DMS müssen konsistent und kontextbezogen bereitgestellt werden. 

Ein Kunde, der eine Serviceanfrage für eine bestimmte Maschine erstellt, sollte automatisch Zugriff auf die technische Dokumentation dieser Maschine, ihre Wartungshistorie und relevante Ersatzteile erhalten. Diese kontextuelle Integration reduziert Suchaufwände und erhöht die Qualität der Interaktion deutlich. 

E-Commerce & Ersatzteilshops 

E-Commerce-Lösungen im Manufacturing unterscheiden sich grundlegend von B2C-Online-Shops. Sie müssen komplexe Produktkonfigurationen, kundenspezifische Preise, individuelle Sortimente und technische Spezifikationen abbilden. Gleichzeitig sollen sie die Effizienz von Bestellprozessen maximieren und sich nahtlos in bestehende Procurement-Systeme integrieren. 

Komplexe Produkte, Preise und kundenspezifische Sortimente 

Industrielle Produkte sind häufig konfigurierbar, haben technische Abhängigkeiten und erfordern umfangreiche Spezifikationen. E-Commerce-Plattformen müssen diese Komplexität abbilden, ohne die Benutzerfreundlichkeit zu beeinträchtigen. Guided Selling, intelligente Produktfilter und visuelle Konfiguratoren helfen Kunden, die richtigen Produkte zu finden und korrekt zu spezifizieren. 

Preisgestaltung im B2B-Manufacturing ist selten standardisiert. Kunden haben individuelle Konditionen, Staffelpreise, Rahmenverträge und spezielle Vereinbarungen. E-Commerce-Lösungen müssen diese Preislogik korrekt abbilden und für jeden Kunden die für ihn relevanten Preise anzeigen. Nur so entsteht Vertrauen und Transparenz im digitalen Bestellprozess. 

Unsere Erfahrung: Was B2B-E-Commerce im Manufacturing wirklich komplex macht 

In einem E-Commerce-Projekt für einen deutschen Hersteller von Hydraulikkomponenten haben wir gelernt, dass die grösste Hürde nicht die Technologie ist, sondern die Datenqualität. Unser Kunde hatte über 120'000 Artikel in seinem ERP – aber nur 30% davon waren mit vollständigen Produktdaten und Bildern gepflegt. Bevor wir den Shop bauen konnten, mussten wir gemeinsam mit dem Kunden einen Daten-Governance-Prozess etablieren und die kritischsten 15'000 Artikel priorisiert aufbereiten. 

Unsere Empfehlung für Manufacturing-Unternehmen:

Starten Sie nicht mit dem Shop, starten Sie mit den Daten. Wir rechnen in unseren Projekten typischerweise 30–40% des Gesamtbudgets für Datenaufbereitung und -integration ein. Dieser Anteil überrascht viele Kunden, ist aber der entscheidende Erfolgsfaktor. 

Punchout, OCI und ERP-Integration 

Für viele industrielle Kunden ist die Integration ihrer E-Procurement-Systeme mit den E-Commerce-Plattformen ihrer Lieferanten entscheidend. Standards wie Punchout und OCI (Open Catalog Interface) ermöglichen es, dass Kunden aus ihrem internen System heraus auf den Katalog des Lieferanten zugreifen, Produkte auswählen und den Warenkorb zurück in ihr System übertragen. 

Diese nahtlose Integration reduziert manuelle Eingaben, minimiert Fehler und beschleunigt Prozesse erheblich. Für Manufacturing-Unternehmen bedeutet dies jedoch, dass ihre E-Commerce-Lösungen diese Standards unterstützen und mit verschiedenen Procurement-Systemen kommunizieren können müssen. 

CMS & Content-Plattformen im Manufacturing 

Content Management Systeme bilden die Grundlage für die Bereitstellung von Produktinformationen, technischen Dokumentationen, Anleitungen und Marketing-Inhalten. Im Manufacturing-Kontext müssen sie hohe Anforderungen an Mehrsprachigkeit, Versionierung, technische Präzision und Personalisierung erfüllen. 

Produktinformationen & technische Dokumentation 

Technische Dokumentationen sind im industriellen Umfeld nicht nur Nice-to-have, sondern regulatorisch erforderlich und geschäftskritisch. Betriebsanleitungen, Wartungshandbücher, Sicherheitsdatenblätter und CE-Konformitätserklärungen müssen in der richtigen Sprache, Version und für das jeweilige Produkt verfügbar sein. 

Content-Plattformen müssen diese Dokumente strukturiert verwalten, versionieren und kontextbezogen bereitstellen. Ein Servicetechniker, der vor Ort eine Wartung durchführt, muss über sein mobiles Gerät auf die exakte Dokumentation der vor ihm stehenden Maschine zugreifen können, inklusive aller relevanten Sicherheitshinweise und Wartungsschritte. 

Personalisierung nach Branche, Rolle und Kontext 

Nicht jeder Kunde benötigt dieselben Informationen. Ein Kunde aus der Lebensmittelindustrie hat andere regulatorische Anforderungen als einer aus der Automobilindustrie. Ein Wartungstechniker benötigt andere Inhalte als ein Einkäufer. Ein Bestandskunde mit langjähriger Erfahrung benötigt weniger Grundlageninformationen als ein Neukunde. 

Moderne Content-Plattformen ermöglichen Personalisierung auf verschiedenen Ebenen: branchenspezifische Inhalte, rollenbasierte Navigation, Empfehlungen basierend auf bisherigem Verhalten und kontextuelle Informationsbereitstellung. Diese Personalisierung reduziert Informationsüberflutung und erhöht die Relevanz jeder Interaktion. 

Sie planen ein Kundenportal, einen Ersatzteilshop oder die Neugestaltung Ihrer Content-Plattform?

Wir bringen die Erfahrung aus integrierten Manufacturing-Projekten mit – von der Datenarchitektur bis zum Go-Live. Lassen Sie uns in einem ersten Gespräch herausfinden, wo Ihr grösster Hebel liegt.

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