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SAP Spartacus - Features und Updates im Überblick

Markus HenkelDezember 2021

Headless-Architektur

Die gravierendste Neuerung ist die Entkopplung des Frontends. Das alte Frontend, der fest integrierte Accelerator, stellt User:innen HTML-Templates zur Verfügung, die eng mit der Logik des Backend-Systems verknüpft sind. Spartacus funktioniert dagegen auf Basis einer Headless-Architektur – sprich, das Frontend ist technisch vom Backend-System losgelöst. Entwickler:innen beider Systemwelten können vollständig getrennt voneinander neue Features einspielen. Mit der Headless-Architektur sind nicht nur individuelle Release-Zyklen Standard, kleine kosmetische Anpassungen erfolgen endlich zeitnah.

Major Frameworks

Da sich die Frontend-Technologien in den letzten Jahren rasant entwickelt haben, erwarten Entwickler:innen heutzutage JavaScript-Frameworks wie Angular, React oder Vue.js. Ein Grund, warum SAP die Commerce REST APIs überarbeitet hat. Sie sind mit jeder gängigen Storefront-Technologie kompatibel. Moderne Frontends lassen sich dank des Framework Angular relativ einfach realisieren. Und neben Angular baut Spartacus anstelle von klassischen Templates auf Bibliotheken auf. Vorteil dabei: Eigens entwickelte Erweiterungen, Services sowie Anpassungen sind in Spartacus kompatibel und zügig realisierbar.

Open Source

SAP will ähnlich wie Microsoft in Sachen Softwareentwicklung zukünftig neue Wege beschreiten. So entwickelt SAP Spartacus zwar innerhalb des SAP-Commerce-Teams selbst, veröffentlicht das Produkt allerdings unter einer Open-Source-Lizenz. Kund:innen profitieren so von der gesamten Entwicklungsarbeit; seitens SAP sowie von den Ideen der Community. Die Storefront genießt gleichzeitig drei wesentliche Vorteile der Open-Source-Welt: kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems, individuelles Testing sowie stetige Modifizierungen und Verbesserungen des bereits Entwickelten. Ebenfalls erwähnenswert ist die Kontaktmöglichkeit mit den SAP-Entwickler:innen und Produktmanager:innen. Kund:innen und Partner:innen erhalten Zugang zum Spartacus-Team und haben so direkten Einfluss auf die Priorisierung neuer Funktionen. Der gesamte Code der Spartacus Storefront ist auf Github einsehbar, inklusive der Dokumentation.

Frontend-unabhängig

Da Spartacus von der SAP Commerce Cloud entkoppelt ist, ist der Einsatz der neuen Storefront nicht zwingend mit der SAP Commerce Cloud vorgeschrieben. So ist es beispielsweise denkbar, klassische Content-Management-Systeme einzubinden. Als Beispiel ist das CMS von Contentful zu nennen, welches bereits passende Schnittstellen zu SAP anbietet.

Progressive Web Application

Um tatsächlich die gesamte Customer Journey abzubilden und Kund.innen an jedem möglichen Touchpoint abzuholen, mussten Unternehmen bis vor Kurzem noch zusätzlich Web-Applikationen und Services entwickeln. Dieser Aufwand reduziert sich dank Angular-basiertem Framework drastisch. Shopbetreiber können ohne Aufwand mittels Progressive Web Application (PWA) responsive Websites und native Apps zu einer All-in-One-Technologie zusammenführen. PWAs vereinen die Bedienbarkeit und Leistungsfähigkeit einer Website mit Funktionalitäten einer App – inklusive Funktionen wie Offline-Fähigkeit, HTTPS-Sicherheit und sind Endgerät-unabhängig.

Cloud/Sicherheit

Keine Frage, gepaart mit Spartacus bietet SAP Commerce Cloud eine hoch skalierbare Suite für den Onlinehandel. Und für einen reibungslosen Betrieb sorgt Microsoft mit seiner Businesslösung Azure, in der die Handelsplattform Datenschutz-konform gehostet ist. Shop- und Web-Werkzeuge stehen nun gemeinsam zur Verfügung, ohne zusätzliche Services buchen zu müssen – egal ob es ums Erstellen, Bereitstellen, Verwalten oder Überwachen geht. Und dank der stetigen Weiterentwicklung von Angular durch Google und dem Team der SAP Commerce Cloud fließen die neuesten Sicherheitsfeatures direkt mit in das Projekt ein.

Technisch betrachtet kann das Frontend dank der entkoppelten Architektur separat skalieren. Zudem sind Microservices nicht nur leichter zu realisieren, sie lassen sich bei geschäftsbedingten Peaks ebenfalls bedürfnisorientiert modifizieren. Stichwort Kyma runtime – ein weiteres Open-Source-Projekt aus dem Hause SAP. Es lässt sich leicht an Softwarelösungen andocken und überwacht unter anderem Prozesse wie Authentifizierung, Protokollierung, Alarmierung sowie die Prozesse selbst. Da es ebenfalls auf Kubernetes aufbaut, kann Kyma über eine API-Schnittstelle auf Veränderungen in SAP Commerce reagieren und beispielsweise verknüpfte Microservices starten. Vorteil: War man damals noch auf die SAP-Entwickler angewiesen, ist dank der Cloud eine Änderungsanforderung nicht mehr nötig. Jede Umgebung befindet sich in Microsoft-Azure und verfügt über ein eigenes Kubernetes-Cluster, welches wiederum die einzelnen Umgebungen verwaltet beziehungsweise koordiniert. Sprich, unabhängige Deployments sind endlich möglich und Entwicklerteams sind nicht mehr von den SAP-Release-Zyklen abhängig.

Content Delivery Network

Natürlich erlaubt das Gesamtsystem auch Optimierungen mittels Content Delivery Network (CDN). Unternehmen halten ihre datenintensive Medien einfach Standort-bezogen via Caching vor und reduzieren so automatisch die Traffic-Last sowie die Kosten für die jeweilige Datenabfrage. Durch die Bereitstellung von Inhalten mithilfe eines nahegelegenen CDN-Servers sind Latenzen, also Verzögerungen beim Laden von Website-Inhalten, minimal. Sprich, Spartacus spielt Medien wie HTML-Seiten, Javascript-Dateien, Stylesheets, Bilder und Videos performant aus. Mittlerweile sind solch lokale Data Stores bei DAM- und PIM-Systemen Standard. Vorteile allgemein: zügiger Seitenaufbau, überschaubare Traffic-Kosten, hohe inhaltliche Verfügbarkeit (Redundanz) sowie zusätzliche Sicherheit (DDoS-Abwehr).

Fazit SAP Commerce und Spartacus

Der Vorteil von Spartacus ist, bezogen auf SAP Commerce, die generell dadurch gewonnene Innovationskraft. Denn neben der Headless-Architektur und der individuellen Handhabung während der Softwareentwicklung ist zweifelsohne die Cloud der treibende Faktor im Onlinehandel. Strategien wie "time to market" zwingen Unternehmen dazu, ihre Shop-Systeme immer flexibler auszurichten. Eine zentrale Verwaltung der E-Commerce-Anwendungen inklusive hoch performante Skalierbarkeit sind starke Argumente; eine zügige und bedarfsgerechte Nutzung neuer Microservices runden das Dafür ab.

Update: Release 4.3

SAP Enterprise Product Development Visualization Integration

Eine bedürfnisorientierte Visualisierung ist wichtiger Gradmesser einer modernen Frontend-Usability. Die SAP Enterprise Product Development Visualization Integration ermöglicht die Darstellung von 2-D- und 3-D-Produktmodellen (Fotos und komplexe CAD-Zeichnungen). Nutzer:innen sind so in der komfortablen Lage, neben der klassischen Produktbeschreibung zusätzlich visuelle Details zum Produkt abzurufen. Benötigte Ersatzteile landen mit wenigen Klicks passgenau in den Warenkorb. Vorteil: Dank des Public-Cloud-Ansatzes ist es ein Leichtes, andere Informationssysteme mit der jeweiligen 2-D- und 3-D-Visualisierungen zu verknüpfen.

Update: Release 4.2

Optimierung: Quick Order via Produktnamen

Die „Quick Order Funktion“ kennen wir bereits aus dem Spartacus Release 4.1. Mit dieser Verbesserung steht den Kund:innen einer erweiterte Suche zur Verfügung. Sie suchen fortan nicht nur via SKU; vielmehr erlaubt die Suche auch das Attribut "Produktname". Das Feld für die Quick Order selbst bleibt dabei unberührt.

Cart Validation

Die „Cart Validation“ erlaubt es Ihnen als Shop-Betreiber:in die jeweilige Kaufabwicklung inhaltlich stetig prüfen zu lassen. Ist beispielsweise ein Artikel wider erwartend nicht auf Lager und somit nicht verfügbar, passt sich der Warenkorb automatisch an. Das berücksichtigt auch einen reduzierten Bestand. Kund:innen erhalten innerhalb des Bestellprozesses entsprechend eine Mitteilung angezeigt. In diesem Fall entfernt das System dann das gewünschte Produkt oder weist auf neue Eventualitäten hin (Produkt verfügbar in 2 Wochen / 3 Stück auf Lager).

Cart Import / Export

Um interne Bestellprozesse zu vereinfachen, unterstützt Spartacus mit dem Update 4.2 den Import von CSV-Files. Der sogenannte „Cart Import/Cart Export“ erleichtert beispielsweise als Schnittstelle den
internen Prozess „Sammelbestellung“. Nutzer:innen halten ihre Bestellungen in einer CSV-Datei fest und lassen diese automatisiert durch den Upload, etwa über die Shop-UI, uploaden.

Da eine CSV-Datei grundsätzlich festgeschriebenen Attributen unterliegt, dient das File gleichzeitig einer Datensatzkontrolle. Klassische Fehler im Bestellprozess minimieren sich so automatisch. Die
Attribute sind natürlich individuell anpassbar.

Ebenfalls denkbar: Die Bestellungen laufen allesamt über Zwischenhändler:innen. Sie sammeln die einzelnen Posten ihrer Kund:innen, steuern die Rabattstufen und kommissionieren/distribuieren die Ware im Nachgang.

Product Image Zoom

Produktbilder zu vergrößern, sich Produktdetails dank Zoom anzeigen zu lassen, kannten wir bisher eher von großen Internet Pure Playern wie Amazon. Die Funktion „Product Image Zoom“ ermöglicht es auch Ihnen, Nutzer:innen, Produktdetails wesentlich detaillierter zu präsentieren. Durch einfaches Klicken auf das Hauptbild wird der „Zoom-Modus“ aktiviert, wodurch das Produktbild je nach Maus-Position sich beliebig vergrößern lässt.

Weitere Inhalte des Release 4.2

Update: Release 4.1

SAP Digital Payments Integration

Spartacus unterstützt nun das SAP Digital Payments Add-on. Kund:innen sind in der komfortablen Situation, gängige Zahlungsmethoden digital an ihr bestehendes Bezahlmanagement anzudocken. Dabei ist es egal, ob die Zahlung per PayPal, Kreditkarte, Girocard/Maestro, Sofort-Überweisung,
Lastschrift oder Rechnung getätigt wird.

Bisher waren Shops, Applikationen und sonstige Commerce-Treiber mit den zertifizierten Payment Service Provider je nach Zahlungsmethode digital verbunden. Unzählige Rechnungseingänge und verschiedene Bezahlmodi mussten so mit Rabatt- und Gutscheinaktionen verheiratet werden. Hinzu
kam, dass Anbieter für die sensiblen Zahlungsinformationen ihrer Kunden das Regelwerk -Payment Card Industry Data Security Standard (PCI-DSS)- für jede einzelne Abwicklung berücksichtigen mussten. Mit dem Cash-Add-On verwalten Kunden ihre digitalen Verkaufsprozesse zentral – inklusive dem dafür nötigen Datenschutz.

Wie? Jeder Shop beziehungsweise jede vom Kunden genutzte Applikation ist zentral mit dem zertifizierten Digital Payments Add-on verbunden. Der Payment Service Provider agiert lediglich im Hintergrund. Der Vorteil: Ausschließlich das Add-On koordiniert die digitalen Zahlungen – weltweit versteht sich. Eine Übersicht erhalten berechtigte User mittels Dashboard, über welches sämtliche Transaktionen verwaltet werden. Dazu gehören natürlich auch Retouren, die meist vom Kunden
berechtigte Rückerstattungen inkludieren.

Und in Sachen Datenschutz? Hierfür setzt SAP auf eine sogenannte Tokenisierung. Hierbei wird eine Zertifizierung durch den jeweiligen Zahlungsdienstleister abgelöst. Ein Token, der zur Identifizierung und Authentifizierung der Benutzerdaten (Zwei-Faktor-Authentisierung) beiträgt, ersetzt das Zahlungsmittels für die Autorisierung und Abrechnung von Transaktionen. Vorteil: Händler dürfen Kaufabwicklungen verarbeiten, ohne personalisierte und zudem sensible Informationen (Kreditkartendaten) selbst auf ihren Systemen zu speichern. Eine kostspielige PCI-DSS-Zertifizierung ist daher nicht nötig.

Quick Order

Mit der Funktion Quick Order vereinfachte SAP damals die zeitnahe Bestellung innerhalb seines Accelerator (B2B und B2C). Nun steht dieser Service auch in Spartacus zur Verfügung.

Sind regelmäßige Bestellungen bestimmter Stückmengen die Regel, greift der User auf das Quick-Order-Formular zu. Um einen reibungslosen Bestellvorgang zu gewährleisten, benötigen Anwender lediglich die Stock Keeping Unit, kurz SKU (Artikel ID). Nach der korrekten Eingabe dieser unverwechselbaren Identifikationsnummer zeigt das System das dazu passendes Produktbild und den Stückpreis an. Zudem ist nun die Bestellmenge auf Basis des tatsächlichen Bestands ins dazu passende Feld einzutragen. Alle gängigen Standardwerte beziehungsweise Felder sind auf Wunsch individuell anpassbar.

Mit der Funktion Quick Order erhalten Kund:innen die Möglichkeit, in einer Maske sämtliche Artikelwünsche aufzugeben und so eine größere Bestellung übersichtlich innerhalb eines Bestellvorgangs zu tätigen.

B2B Inventory Display

Das „B2B Inventory Display“ ist ein vielseitiges Tool. Denn zum einen ermöglicht es Händlern die Bestandsaufnahme in Echtzeit (einfache Inventur). Zum anderen führt die Anzeige einzelner Inventarverfügbarkeiten, egal ob einzelne Produktkategorie, Artikel oder gesamte Storefront, zu einer verbesserten Kaufabschlussrate (nur noch XY-Stück vorrätig). Vorteil für Kund:innen: Innerhalb des Bestellvorgangs bleiben Überraschungen wie „Ware doch nicht vorrätig“ aus.

Nutzt das Sales-Team den Shop als Vertriebskanal, muss es keine zeitintensiven Bestandsanfragen per E-Mail versenden. Andersherum; ist der Bestand aufgebraucht, melden sich Business-Kund:innen wissentlich „Bestand ist leer“ direkt bei einem Vertriebsexperten und bestellen.

B2B Inventory Display in der Praxis: Ist die Funktion im Backend aktiviert, zeigt die Shopseite „XY auf Lager“. Deaktiviert man sie dagegen, spielt das System zu den allgemeinen Produktinformationen zusätzlich „auf Lager“ oder „nicht auf Lager“ aus. Besonderheit – beschränkt man die Funktionalität auf fünf Produkteinheiten, obwohl insgesamt 20 Einheiten vorrätig sind, zeigt das Shopsystem „5+“, bei weniger als fünf verfügbaren Produkten die exakte Zahl an.

Die Genauigkeit der angezeigten Bestandsdaten hängt davon ab, wie das Feature angesprochen beziehungsweise die Daten miteinander verknüpft sind. Einigen Händlern reicht die täglich einmalige oder wöchentliche Aktualisierung (manuelle Eingabe), andere dagegen wünschen sich einen Abgleich in Echtzeit. Dann sind Bestand und Shopsystem eng miteinander verzahnt. Beide Varianten sind mit Spartacus möglich.

Weitere Inhalte des Release 4.1

Dezember 2021

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