Sichere digitale Identitäten für alle – Das E-ID pilotWallet-Projekt des Bundes
Bundesamt für Informatik und Telekommunikation BIT
Der Bund entwickelt mit Unic eine innovative Wallet-Lösung für elektronische Identitätsnachweise. Das pilotWallet-Projekt zeigt, wie sichere digitale Ausweise funktionieren können – ohne Medienbruch, mit voller Datenkontrolle der Nutzer:innen und höchsten Sicherheitsstandards. Der Pilot bereitet den Weg für Schweizer E-IDs vor.
- Kunde
- Bundesamt für Informatik und Telekommunikation BIT
- Kunde seit
- 2023
- Go-Live
- Mai 2024
Elektronische Identitäten für alle – sicher und verständlich
Der Bund verfolgt das Ziel einer nationalen E-ID-Infrastruktur. Doch bevor dies im grossen Stil umgesetzt wird, braucht es einen realistischen Feldtest mit echten Nutzer:innen. Die Herausforderung war gross: Wie bringt man Menschen dazu, ihre Identitätsdaten digital zu speichern? Wie stellt man sicher, dass sie ihre Daten wirklich unter Kontrolle haben? Und wie macht man ein komplexes technisches Konzept – «Self-Sovereign Identity» – verständlich und praktisch nutzbar?
Der Pilot konzentrierte sich auf den elektronischen Lernfahrausweis als erstes Anwendungsbeispiel. Das war strategisch sinnvoll: Der Lernfahrausweis ist allgegenwärtig, wird regelmässig vorgezeigt und die Nutzer:innen sind digital affin. Gleichzeitig musste die Lösung den höchsten Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz und Barrierefreiheit genügen – ohne dabei an Benutzerfreundlichkeit einzubüssen.
Das Ziel war klar: Entwickeln und testen, ob elektronische Ausweise in einer Wallet wirklich funktionieren – technisch sicher, rechtlich korrekt und für Nutzer:innen praktikabel.
Bedürfnisse der Nutzer:innen im Zentrum
Unic brachte einen streng nutzerzentrierten Ansatz in das Projekt. Das bedeutete konkret: Nicht die Technologie stand am Anfang, sondern die Frage: Wie nutzen Menschen ihre Ausweise wirklich? Welche Szenarien gibt es? Welche Risiken entstehen?
Das Team entwickelte zuerst eine UX-Architektur, basierend auf verschiedenen Customer-Journeys – vom Onboarding über die tägliche Nutzung bis zur Vorweisung bei einer Kontrolle. Hypothesen wurden kontinuierlich durch Prototyping und Hallway-Testing validiert. Die Design-Entscheidungen folgten dabei der Panda-Strategie von Per Axbom: ein systematischer Ansatz, um unterschiedliche Nutzungsszenarien, potenzielle Risiken und diverse Nutzergruppen zu berücksichtigen.
Über 20 Partizipationsmeetings ermöglichten intensiven Austausch zwischen Bund, Kantonen und Unic. Das BIT-Team befand sich selbst in einem Transformationsprozess – Unic unterstützte diesen Prozess aktiv. Interdisziplinäre Teamprozesse zwischen Service Design, UX und Entwicklung sorgten dafür, dass nicht nur einzelne Bereiche optimiert wurden, sondern das Gesamtsystem stimmig funktioniert. Die agile, iterative Arbeitsweise und die offene Haltung aller Beteiligten schafften Raum für echte Innovation.
Eine Wallet für sichere, datensparsame Identitätsnachweise
Die Lösung besteht aus mehreren ineinandergreifenden Elementen.
App-Architektur: Entwicklung einer nativen Wallet-Lösung für iOS und Android. Die App ermöglicht es Nutzer:innen, ihre elektronischen Nachweise hochzuladen, zu verwalten und sicher zu verwahren – lokal auf dem Gerät, nicht in der Cloud.
Sichere Datenabfrage: Zentral ist die datensparsame Architektur. Wenn ein:e Polizist:in den Lernfahrausweis kontrolliert, sendet die Wallet nur die notwendigen Daten – nicht die gesamte Identität. QR-Code-basierte Abfragen ermöglichen es, dass die prüfende Stelle das Minimum an Informationen erhält.
Schnittstellenintegration: Die Wallet wurde mit kantonalen und bundesnahen Systemen verbunden – von Strassenverkehrsämtern bis zu Prüfungssystemen. Diese Vielfalt an Schnittstellen war eine echte technische Herausforderung, wurde aber sauber gelöst.
Transparenzmassnahmen: Ein öffentlich zugängliches Code-Repository auf GitHub ermöglichte vollständige Transparenz. Bürger:innen, Sicherheitsexperten und Entwickler:innen konnten den Code einsehen und prüfen.
Inclusive Design: Das UI/UX-Design wurde so gestaltet, dass es intuitiv, zugänglich und inklusiv ist – für diverse Nutzergruppen, inklusive Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Visuelle Konsistenz und ästhetische Qualität unterstützten die Usability, ohne dabei zu experimentieren.
Die Lösung wurde bewusst als Baustein für den späteren E-ID-Standard konzipiert und erfüllt die Vorgaben von Fedpol, Justiz- und Polizeidepartement sowie BIT.
Von der Vision zur gelebten Praxis
Das pilotWallet schafft unmittelbar wertvollen Nutzen: Lernfahrer:innen können ihren Ausweis digital vorzeigen, ohne das physische Dokument mitführen zu müssen. Das ist nicht nur praktisch – es senkt auch die Barriere zur Digitalisierung. Menschen erleben konkret, dass digitale Identitäten funktionieren und sicher sind.
Für Fahrschulen, Strassenverkehrsämter und Kontrollen entsteht echte Effizienz. Die digitale Vorweisung ohne Medienbruch macht Prozesse schlanker. Gleichzeitig gewinnen Bürger:innen echte Kontrolle über ihre Daten – ein fundamentales Prinzip der digitalen Souveränität.
Der Pilot ist ein zentraler Meilenstein auf dem Weg zur Schweizer E-ID. Er zeigt, dass Self-Sovereign Identity nicht nur ein theoretisches Konzept ist, sondern praktisch umsetzbar. Die gewonnenen Erkenntnisse bereiten den Weg für weitere Anwendungsfälle – von Diplomen über Vereinsausweise bis zu anderen Nachweisen. Mit dieser Basis kann der Bund den Rollout auf weitere Kantone und Ausweiskategorien vorbereiten.
Der Test läuft für ein Jahr und wird kontinuierlich überwacht. Das Projektteam arbeitet bereits an den nächsten Schritten: Weiterentwicklung der Wallet, Integration zusätzlicher Lebenssituationen, Ausbau der Sicherheitsmechanismen und Vorbereitung einer UX- und Service-Design-Roadmap für die nationale E-ID.
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