Nordic-Challenge «Alle laufen lang» – User Engagement Gold

Laura BaggenstosDezember 2025

In Kürze

  • Emotionale Bindung schlägt technische Raffinesse. Gian und Giachen funktionieren, weil sie Graubündens Identität verkörpern.

  • Einfache Mechanik ermöglicht tiefe Motivation. Kilometer sammeln, Strecken absolvieren, Erfolge teilen – ohne komplexes Regelwerk.

  • Gemeinschaft ist stärker als Wettbewerb. Wir verzichteten bewusst auf aggressive Bestenlisten zugunsten gemeinsamer Herausforderungen.

  • GPS in Schweizer Bergen ist anspruchsvoll. Tunnel, Täler und Funklöcher stellten uns vor technische Hürden.

  • Gamification braucht Substanz. Was Nutzende immer wieder zurückbringt, ist nicht der Mechanismus, sondern das Gefühl.

Warum klassische Spielmechaniken im Sport oft scheitern

Viele Fitness-Apps setzen auf Punkte, Abzeichen und Ranglisten. Diese Mechaniken funktionieren kurzfristig gut. Doch nach wenigen Wochen lässt das Engagement nach. Der Grund: Externe Belohnungen ersetzen keine echte Motivation.

Graubünden Ferien wollte mehr. Der Auftrag lautete: «Macht Langlauf attraktiver.» Das Ziel: Langlauf Digitalisierung, die Menschen motiviert und sie dadurch regelmässig auf die Loipe gehen. Nicht einmal, sondern immer wieder. Das erforderte einen anderen Ansatz.

Das Problem mit Bestenlisten

Bestenlisten motivieren vor allem jene, die ohnehin vorne stehen. Für alle anderen wirken sie eher abschreckend. Wer auf Platz 847 landet, fühlt sich nicht angespornt. Im Gegenteil: Das Gefühl der Unterlegenheit demotiviert.

Wir entschieden uns daher bewusst gegen globale Ranglisten. Stattdessen setzten wir auf gemeinsame Ziele. Familien, Vereine und Freundeskreise konnten Herausforderungen zusammen meistern. Das veränderte die gesamte Dynamik.

Die Geburt von Gian und Giachen

Die beiden Steinböcke sind keine Erfindung von Unic. Sie existieren bereits als Maskottchen von Graubünden Ferien. Doch sie in eine App zu integrieren, war Neuland. Character Design in Apps erfordern besondere Sorgfalt. Wir durchliefen 15 Design-Iterationen.

Die ersten Entwürfe waren zu niedlich. Andere wirkten zu kindlich. Wieder andere passten nicht zur alpinen Identität. Erst als wir die Steinböcke als Begleiter konzipierten, fiel alles an seinen Platz. Gian und Giachen sollten nicht belehren. Sie sollten mitlaufen.

Der entscheidende Moment

In einem Workshop mit Graubünden Ferien testeten wir verschiedene Konzepte. Ein Ansatz stach heraus: die Steinböcke als virtuelle Laufpartner. Sie kommentieren Fortschritte. Sie feuern an. Sie teilen die Freude über erreichte Ziele.

Dieser Moment war entscheidend. Wir wussten: Das ist es. Die emotionale Bindung zu bekannten Figuren schafft, was Punkte nicht können.

Motivieren ohne zu nerven

Push-Benachrichtigungen sind ein zweischneidiges Schwert. Zu viele davon vertreiben Nutzende. Zu wenige lassen die App in Vergessenheit geraten. Wir suchten die Balance.

Unser Ansatz: Benachrichtigungen nur bei echten Anlässen. Ein neues persönliches Ziel erreicht? Gian gratuliert. Eine gemeinsame Herausforderung abgeschlossen? Giachen feiert mit. Keine willkürlichen Erinnerungen. Keine «Du warst lange nicht aktiv»-Nachrichten.

Intrinsische Motivation fördern

Was Menschen wirklich antreibt, sind drei Dinge: Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit. Die Forschung nennt das die Selbstbestimmungstheorie. Wir wendeten sie praktisch an.

  • Autonomie: Nutzende wählen ihre eigenen Ziele. Niemand schreibt vor, wie viele Kilometer zu laufen sind.

  • Kompetenz: Jeder Fortschritt wird sichtbar. Auch kleine Erfolge zählen.

  • Verbundenheit: Gemeinsame Herausforderungen stärken das Gemeinschaftsgefühl.

Community Building statt Konkurrenz

Die überraschendste Erkenntnis kam aus den Tests mit echten Langläufer:innen in Davos. Wir hatten ursprünglich individuelle Herausforderungen priorisiert. Doch die Testpersonen fragten immer wieder: «Kann ich das mit meiner Familie machen?»

Daraufhin entwickelten wir Gruppen-Herausforderungen. Community Building wurde zum Kern der App. Vereine, Familien oder Freundeskreise können gemeinsame Ziele setzen. Die gesammelten Kilometer aller Mitglieder zählen zusammen. Das veränderte alles.

Teilen ohne Zwang

Viele Apps drängen Nutzende zum Teilen auf sozialen Medien. Das empfinden viele als aufdringlich. Wir gingen einen anderen Weg. Erfolge lassen sich teilen, aber nur, wenn man es wirklich möchte.

Das Ergebnis: Wer teilt, tut es aus echter Freude. Nicht aus Pflichtgefühl. Das macht die geteilten Inhalte authentischer und wertvoller.

GPS Tracking Schweiz: Unsere technische Realität

Die Bündner Berge sind wunderschön. Für GPS-Signale sind sie eine Herausforderung. Tiefe Täler blockieren Satelliten. Tunnel auf Loipen unterbrechen die Verbindung. Funklöcher sind eher Regel als Ausnahme.

Diese Realität zwang uns umzudenken. Eine reine Online-Lösung funktionierte nicht. Wir brauchten eine robuste Strategie für schwierige Bedingungen.

Unsere Lösung: Offline-Tracking mit Synchronisation

Die App zeichnet Strecken auch ohne Internetverbindung auf. Sobald wieder Empfang besteht, synchronisiert sie die Daten. Das klingt einfach. Die Umsetzung war komplex.

Wir mussten Fälle berücksichtigen, an die niemand zuerst denkt. Was passiert bei Geräteneustart während der Aufzeichnung? Wie verhalten sich die Daten bei Zeitzonenwechsel? Wie vermeiden wir doppelte Einträge bei unterbrochener Synchronisation?

Edge Cases, die niemand erwartet

Ein Beispiel: Manche Loipen führen durch beleuchtete Tunnel. Die Tunnelbeleuchtung irritierte anfangs die automatische Helligkeitsanpassung mancher Geräte. Das führte zu unerwartetem Verhalten. Solche Details kosten Zeit. Sie entscheiden aber über die Qualität.

Unsere User Engagement Strategie

Download-Zahlen sind eine Eitelkeitsmetrik. Sie zeigen, wie viele Menschen die App installiert haben. Nicht, wie viele sie tatsächlich nutzen. Für unsere User Engagement Strategie zählte etwas anderes: die Rückkehrquote.

Welche Metriken wirklich zählen

Wir fokussierten auf drei Kennzahlen: tägliche aktive Nutzende, durchschnittliche Sitzungsdauer und Rückkehr nach 30 Tagen. Diese Zahlen zeigten, ob die App wirklich funktionierte.

Die Ergebnisse überraschten uns positiv. Die Rückkehrquote lag deutlich über vergleichbaren Fitness-Apps. Menschen kamen freiwillig zurück. Nicht wegen Push-Benachrichtigungen. Sondern weil sie es wollten.

Die Herausforderung der Saisonalität

Langlauf ist ein Wintersport. Im Sommer ruht die App naturgemäss. Das stellt besondere Anforderungen an die Konzeption. Wie hält man Nutzende bei der Stange, wenn die Saison vorbei ist?

Unsere Antwort: sanfte Vorbereitung auf die neue Saison. Keine aggressiven Kampagnen. Stattdessen rechtzeitige Hinweise, wenn der erste Schnee fällt. Die Vorfreude ist Teil des Erlebnisses.

Praktische Erkenntnisse für Ihre App Entwicklung

Die Erfahrungen aus diesem Projekt lassen sich auf viele andere Kontexte übertragen. Gamification funktioniert in vielen Branchen. Die Grundprinzipien der App Entwicklung bleiben gleich.

1. Emotionale Bindung aufbauen

Menschen erinnern sich nicht an Punktestände. Sie erinnern sich an Gefühle. Fragen Sie sich: Welche Emotion soll Ihre App auslösen? Arbeiten Sie von dort rückwärts.

Bei Gian und Giachen ist es das Gefühl von Begleitung. Die Steinböcke sind wie Freunde, die mitmachen. Das schafft eine Bindung, die reine Spielmechaniken nicht erreichen.

2. Gemeinschaft ermöglichen

Einzelkämpfertum hat Grenzen. Gemeinsame Ziele motivieren nachhaltiger. Überlegen Sie, wie Nutzende zusammenarbeiten können. Familiengruppen, Teams, Vereine, die Möglichkeiten sind vielfältig.

3. Technische Robustheit priorisieren

Eine App, die unter realen Bedingungen versagt, verliert das Vertrauen. Testen Sie nicht nur im Büro. Gehen Sie hinaus. Erleben Sie, was Ihre Nutzenden erleben. Nur so finden Sie die Schwachstellen.

Fazit: Gamification braucht Menschlichkeit

Gold für User Engagement – diese Auszeichnung der BOSA-Jury bestätigt unseren Ansatz. Doch der eigentliche Erfolg zeigt sich in den Loipen Graubündens. Menschen, die freiwillig in die Kälte gehen. Die ihre Fortschritte mit Freunden teilen und die sich auf die nächste Saison freuen.

Was wir gelernt haben: Gamification ist kein technischer Ansatz. Es ist ein menschlicher. Wer das versteht, kann Erlebnisse schaffen, die Menschen wirklich bewegen.

Möchten Sie eine Anwendung entwickeln, die Menschen nicht nur einmal nutzen? Dann lassen Sie uns über echte Motivation sprechen, jenseits von Punkten und Abzeichen.

Wir sind da für Sie!

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Stefanie Berger
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Stephan Handschin
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Philippe Surber
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