Raus aus der Komfortzone: Was Europas CX von Chinas Ökosystemen lernen kann
Wenn europäische Unternehmen über digitale Innovation sprechen, schauen sie nach Silicon Valley. Verständlich: Dort wurden viele Standards gesetzt, die heute weltweit gelten. Doch während wir auf kalifornische Tech-Giganten blicken, hat sich in China ein digitales Ökosystem entwickelt, das radikal andere Antworten auf die Frage gibt: Wie gestalten wir Customer Experience?
Die Frage ist nicht, ob wir chinesische Lösungen eins zu eins übernehmen sollen. Die Frage ist:
Welche Denkmuster und Strategien funktionieren dort so gut, dass wir sie als Impulsgeber für unsere eigenen CX-Herausforderungen nutzen sollten?
Was europäische Unternehmen von Chinas Customer Experience lernen können:
Chinas digitale Ökosysteme bieten konkrete Impulse für europäische CX-Strategien. Die wichtigsten übertragbaren Prinzipien sind:
Integrierte Ökosysteme statt Silos: Super-Apps wie WeChat vereinen Kommunikation, Payment, E-Commerce und Services in einer Plattform – ein Gegenentwurf zu fragmentierten europäischen Customer Journeys über multiple Apps und Touchpoints hinweg.
Seamless Commerce: Der fließende Übergang zwischen Content, Social Interaction und Kaufabschluss reduziert Reibung. Livestream-Shopping und In-App-Payments sind dort Standard, nicht Experiment.
Service-First-Denken: Statt in Produktkategorien denken chinesische Plattformen in Kundenservices – das verändert die gesamte CX-Architektur und macht Lösungen intuitiver.
Pragmatische Innovation: Schnelle, iterative Lösungen für reale Kundenprobleme statt jahrelanger Perfektionierung – ein Mindset, das auch unter europäischen Compliance-Anforderungen funktioniert.
Diese Muster lassen sich nicht eins zu eins kopieren, aber die dahinterliegenden Prinzipien sind adaptierbar und bieten konkrete Innovationshebel für europäische Unternehmen.
Das Problem mit unserer digitalen Komfortzone
Viele etablierte Unternehmen in der DACH-Region bewegen sich in einem vertrauten digitalen Rahmen: bewährte Plattformen, etablierte Tech-Stacks, überschaubare Innovationsgeschwindigkeit. Das ist nicht per se schlecht – aber es führt zu einer gewissen Betriebsblindheit. Wir optimieren innerhalb bekannter Grenzen, statt diese Grenzen infrage zu stellen.
China zeigt uns: Es geht auch komplett anders. Nicht besser oder schlechter, sondern fundamental anders. Und genau diese Andersartigkeit macht den Blick nach Osten wertvoll.
Was China im CX-Bereich anders macht
Super-Apps statt fragmentierter Touchpoints: Während wir in Europa mit zersplitterten Customer Journeys kämpfen – separate Apps für Banking, Shopping, Kommunikation, Mobilität – integrieren chinesische Plattformen all das in einem einzigen Ökosystem. WeChat ist nicht nur ein Messenger, sondern Payment-System, E-Commerce-Plattform, Service-Portal und mehr.
Seamless Commerce: Der Übergang zwischen Content, Social Interaction und Transaktion ist fließend. Livestream-Shopping, Social Commerce und In-App-Payments sind keine Experimente, sondern Standard.
Datengetriebene Personalisierung: Die Integration von Services erlaubt eine Personalisierung, die weit über das hinausgeht, was fragmentierte europäische Systeme leisten können.
Natürlich funktioniert das in einem anderen regulatorischen und kulturellen Kontext. Datenschutzstandards, Wettbewerbsrecht und Nutzererwartungen in Europa sind andere. Aber: Die grundlegenden CX-Muster – wie man Reibung reduziert, Convenience erhöht, Ökosysteme denkt – sind übertragbar.
Konkret: Was können europäische Unternehmen adaptieren?
Zentral ist, die dahinterliegenden Prinzipien zu verstehen und für unsere Realität nutzbar zu machen.
Ökosystem-Denke statt Silo-Mentalität: Wie können wir Touchpoints intelligenter verknüpfen? Wo verlieren wir Kund:innen, weil sie zwischen zu vielen Systemen wechseln müssen?
Convenience vor Perfektion: Chinesische Lösungen sind oft pragmatisch statt perfektionistisch. Sie gehen reale Kundenprobleme schnell und iterativ an, statt jahrelang an idealen Lösungen zu feilen.
Integration von Social und Commerce: Wie können wir Kaufprozesse dort ermöglichen, wo Kund:innen bereits sind – statt sie in separate Shops zu zwingen?
Service-First statt Produkt-First: Viele chinesische Plattformen denken nicht in Produktkategorien, sondern in Kundenservices. Das verändert die gesamte CX-Architektur.
Der richtige Umgang mit kulturellen Unterschieden
Natürlich lassen sich nicht alle Strukturen übernehmen. Compliance-Anforderungen, kulturelle Erwartungen an Datenschutz, Marktstrukturen – all das unterscheidet sich. Aber genau deshalb ist der Transfer so wertvoll: Er zwingt uns, Muster zu abstrahieren, statt Oberflächen zu imitieren.
Die Frage ist nicht: "Können wir das genauso machen?" Die Frage ist: "Welches Problem löst das, und wie würden wir es in unserem Kontext lösen?"
Warum jetzt?
Die digitalen Erwartungen von Kund:innen steigen kontinuierlich. Wer heute auf fragmentierte Experiences, komplizierte User Journeys und träge Innovationszyklen setzt, verliert morgen Marktanteile. Nicht an chinesische Wettbewerber, sondern an europäische oder amerikanische Akteure, die schneller lernen.
Der Blick nach China ist kein Selbstzweck. Er ist ein Werkzeug, um unsere eigenen CX-Strategien zu hinterfragen und zu verbessern. Er liefert alternative Perspektiven auf Probleme, die wir zu gut zu kennen glauben.
Was das für Ihre CX-Strategie bedeutet
Chinesische CX-Patterns bieten einen alternativen Musterkatalog, aus dem europäische Unternehmen selektiv lernen können:
Welche unserer Customer Journeys sind unnötig kompliziert?
Wo könnten wir Services integrieren statt fragmentieren?
Welche Convenience-Standards setzen andere, an denen wir gemessen werden?
Wo denken wir in Produkten, obwohl Kund:innen in Services denken?
Das sind keine hypothetischen Fragen. Das sind konkrete Innovationshebel, die sich in Roadmaps, Prototypen und funktionierende Lösungen übersetzen lassen.
Die erfolgreichsten CX-Strategien entstehen nicht durch Imitation, sondern durch informierte Kreativität. China bietet uns einen Blick auf alternative digitale Realitäten – nutzen wir ihn, um unsere eigene voranzubringen.
Interessiert, wie sich konkrete CX-Patterns aus China auf Ihre Branche übertragen lassen? In unserem Webinar "CX-Innovation – Inspiration aus China" zeigen wir gemeinsam mit China-Expert:innen, welche Muster funktionieren und wie sie adaptiert werden können.
Über die Autoren
Björn Ognibeni ist „Practical Visionary“ und Experte für den Innovationstransfer aus "Digital China". Seit über 20 Jahren begleitet er Unternehmen durch digitale Transformationen – jenseits von Trends und Hypes. Sein Fokus liegt darauf, komplexe Technologien in umsetzbare Strategien zu übersetzen. Statt theoretischem Buzzword-Bingo liefert er pragmatische Einordnung, klare Entscheidungen und konkrete Wirkung. Website: BJÖRN OGNIBENI 欧博洋, Practical Visionary.
Roy Voggenberger gestaltet bei Unic den digitalen Wandel, indem er aus Ideen wirksame Geschäftsmodelle entwickelt, die Unternehmen messbar voranbringen. Sein Schwerpunkt liegt auf Künstlicher Intelligenz: komplexe Herausforderungen übersetzt er in klare Chancen und belastbare Entscheidungsgrundlagen. Parallel schafft er strategische Fundamente – von Cloud-Governance bis zu neuen Innovationsfeldern. Sein Ansatz ist konsequent human-centered und verbindet Technologie mit Menschen, Kultur und nachhaltiger Wirkung.
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