Erfolg mit MVPs im E-Commerce – Insights

Florian ArmbrustJuni 2022

Ursprünge des MVP-Konzepts

Das Agile Manifest ist bei Digitalisierungsgestalter:innen bekannt wie ein bunter Hund. Es beschreibt vier Werte und zwölf Prinzipien, entlang derer eine bessere Softwareentwicklung gelingen soll. Ebenso bekannt in der digitalen Community ist die von Eric Ries begründete, im Jahre 2008 kommunizierte Lean-Startup-Methode. In Abgrenzung zu klassischen Go-to-Market-Prozessen von Produkten beschreibt Ries «das Ziel, so schnell wie möglich einen Prototyp (minimum viable product)» darzubieten.

Der Begriff des «Minimum Viable Product» ist indes noch älter. Frank Robinson prägt ihn 2001 im Zuge der anforderungsgeleiteten inkrementellen Produktentwicklung. Robinson betont den idealen Punkt, bei dem ein hoher Return on Investment bei minimalem Aufwand und damit verbundenem minimalem Kapitalrisiko eintritt.

Soweit die Theorie. Doch wie sieht es in unserer E-Commerce-Praxis aus? Und was entscheidet über Erfolg und Misserfolg eines MVP? Wir haben unsere drei zentralen Faktoren für Sie zusammengefasst.

1. Kundenzentrisches Mindset

Die Entwicklung eines MVP beginnt mit dem Mindsetting. Es gilt zunächst klare Vorstellungen mit dem Projektteam zu entwickeln, was das «Minimum» für das MVP bedeutet, und wo «Minimum» eigentlich aufhört.

Das «Minimum» bezieht sich auf die Schwelle, ab der ein potenzieller Kunde das Produkt als Lösungshelfer für seine Bedürfnisse akzeptiert und dafür wiederum bezahlen würde. Also auf der einen Seite die Bedarfe und Bedürfnisse – das, was die Zielgruppen benötigen um ihre Herausforderungen zu meistern. Auf der anderen Seite die «Requirements», die Anforderungen an das zukünftige Produkt, mit denen wir die Erwartungen der Zielgruppen beschreiben. Diese Anforderungen bilden die spätere Grundlage für die Implementierung.

Unabdingbar im Sinne des Design-Thinking: Das zu gestaltende Produktkonzept wird mit Hilfe einer guten «User Research», einer möglichst direkten Analyse im Dialog mit den späteren Käufer:innen, vorbereitet. Dazu eignen sich Methoden wie der «Value Proposition Canvas» von Osterwalder, Pigneur, Bernarda, Smith oder auch das Jobs-to-be-done, welches die zur Bedarfs- und Bedürfnisbefriedigung notwendigen «Jobs» der Zielgruppen genauer unter die Lupe nimmt. Beiden Methoden gemein ist: Sie nehmen nicht nur funktionale Aspekte auf, sondern berücksichtigen auch emotionale und motivatorische psychologische Einflussfaktoren.

Die gezeigte Grafik zeigt den MVP als zentrales Objekt innerhalb eines Kreises. Vom MVP ausgehend sind das energetisierte Projekt-Team sowie hinsichtlich einer effezienten Implementierung das Unternehmen zu erkennen. Als zentralen Startpunkt ist die Zielgruppe mit ihrem nutzerzentrischen Mindset abgebildet.

2. Effektivität und Effizienz im Unternehmen bei der Implementierung

Das Wesen eines MVP ist: Wir können nicht sicher sein, dass unser späteres Produkt auch tatsächlich durchstartet. Wir arbeiten mit Hypothesen, die wir jeweils schnellstmöglich gegenüber unseren Zielgruppen verproben müssen, um der Wahrheit Schritt für Schritt näher zu kommen. Gemäß sich ständig verändernder Umwelt (und damit auch dem Zielgruppenverhalten) ist ein Produkt «niemals ganz fertig».

Genau hier liegt eine große Gefahr: Ein Produkt soll für das Unternehmen Wert schöpfen – und so auch unsere E-Commerce-Lösungen. Daher muss dem Produktteam klar sein:

  • Es kann geschehen, dass der aktuelle Prototyp teilweise oder gar nicht funktioniert. Diese Gefahr ist im E-Commerce sicherlich nicht ganz so bedrohlich wie im Produktdesign für Konsumgüter. Dennoch folgen wir auch hier dem Prinzip: Wir sollten Indikatoren oder gar Belege für den wahrscheinlichen Erfolg eines Features haben, bevor wir in die Implementierung investieren.

  • Für (fast) jeden Softwareentwickler ist Code ein Kunstwerk und Coding gehört zur Passion. Manchmal schließen sich Kunst und Business aber aus, speziell bei der Implementierung von MVPs. Daher sind hier eiserne Disziplin und ein hohes Kundenverständnis erforderlich. Es gilt hochwertige Code-Qualität zu erzeugen, aber eben auch nicht «in Schönheit zu sterben». Auch hier hilft agiles Design Thinking als Vorgehensmodell: Wir trennen das Sammeln von vielversprechenden Ideen und inspirierenden Lösungsdesign vom Implementieren der freigegebenen Features. Timeboxing ist das Stichwort der Stunde, denn es hilft die Kontrolle über die Zeit (und damit die Ressourcen) zu halten.

Was funktioniert und was nicht, entscheidet zuletzt der Kunde, und wir finden dies mittels Validierung und Produkt-Testing heraus. Wie sagt das Sprichwort: Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Beim MVP reicht es, wenn der Wurm «Viable» im Sinne von existenzfähig ist.

3. Das Feinstoffliche: Energetisierung des Teams

Last but not least: Kein MVP ohne professionelles Team. Wir bei Unic organisieren uns eigenverantwortlich gemäß Holacracy-Mindset, wir sind daher organisatorische Agilität gewohnt. Umso wichtiger, dass wir darauf achten, diejenigen Produktgestalter:innen mitzunehmen, für die Agilität nicht auf der Tagesordnung steht.

Unser Anspruch: Es gilt gemeinsam im Team diese besondere transformative Energie zu erzeugen, die notwendig ist, um das Produkt marktfähig zu gestalten. Das Miteinander im Projektteam ist der Treibstoff für den Erfolg – und gleichzeitig lässt es das gemeinsame Unterfangen zur Freude werden.

Unseren bisherigen Speed Record bei der erfolgreichen Gestaltung eines E-Commerce-MVP von «Sprint 0» zum «Go-live» in 140 Tagen haben wir übrigens mit der Spryker-Lösung bei ALDI SUISSE aufgestellt.

Fazit: Wie in allen Projektmethodiken spielen auch im agilen Umfeld verschiedene Faktoren eine erfolgskritische Rolle. Von zentraler Bedeutung ist die Kombination aus einem hohen Kundenverständnis, einem smarten, etablierten Prozess und natürlich der Berücksichtigung der menschlichen Komponente. Genau dies trifft für die Entwicklung eines erfolreichen MVPs zu, hier jedoch fokussiert auf einen schnellen, Werte schaffenden Releasetermin.

Buchtipp:

Zur weiteren Vertiefung empfiehlt sich die Beschäftigung mit der Wissenschaftsdisziplin des kritischen Rationalismus. Karl Popper, "Alles Leben ist Problemlösen", erschienen 1996 im Verlag Piper.

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