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Headless & Microservices – so arbeitet Tobias Fink

Nadine SchlegelDezember 2021

Technologisch knifflige Projekte im Kern messerscharf erkennen

Tobias, du hast im August 2018 bei uns im Bereich Serviceintegration & Microservices gestartet. Wie kamst du zu uns, und wie fühlt es sich heute an?

Bevor ich zu Unic gekommen bin, war ich über zehn Jahre in Basel in der Pharmabranche in einem internen Entwicklungsteam beschäftigt. Wenn man so lange an einem Ort ist, kennt man natürlich alles in- und auswendig. Man weiss genau, was die Erwartungen sind und wie man arbeitet. Auf der anderen Seite läuft man aber auch in Gefahr, sich in seiner Komfortzone einzunisten. In der Pharmabranche diktieren zudem noch die klassischen Organisationsformen, was für mich oft frustrierend war. Darum war mir klar, dass ein Schritt raus aus meiner Komfortzone längst überfällig ist. Unics Gemisch aus Agenturleben, einer holakratischen Arbeitsumgebung und einer völlig anderen Branche schien mir “unbequem” genug für ein neues Abenteuer.

Tobias, du wirst von deinen Arbeitskolleg:innen als unendlich wissbegierig, pointiert und stets mit der notwendigen Prise Humor ausgestattet beschrieben. Wie gelingt es dir, die technologischen Urtiefen zu ergründen und deine Kolleg:innen für diese Reise zu begeistern?

Wissbegierig ist nur eine Art, wie meine Motivation beschrieben werden kann. Ich habe das Gefühl, dass bei mir auch eine Prise Bequemlichkeit die Ursache dafür ist, dass ich über den Tellerrand schaue. Ich möchte jeweils rausfinden, ob und wie ein Problem bereits gelöst worden ist. Dabei lerne ich dann immer erstaunlich viel. Aber ja, sich umzuschauen, Neues zu finden und auszuprobieren und dabei das nächste Projekt bereits im Hinterkopf zu haben, das mach ich schon gern. Und wenn man dazu noch nicht alles und vor allem sich selbst nicht bierernst nimmt, dann hat man einfach Spass an der Arbeit – und das ist hoffentlich ansteckend.

Ich möchte jeweils rausfinden, ob und wie ein Problem bereits gelöst worden ist. Dabei lerne ich immer erstaunlich viel.

Tobias Fink
Senior Application Architect, Unic

Agilität, Herausforderungen & Alltägliches im Projektalltag

Ohne Headless kommt man aktuell bei vielen digitalen Lösungen nicht mehr aus. Doch was genau ist deine Rolle als Application Architect in diesem Kontext und was dürfen unsere Kund:innen von dir erwarten?

Headless-Content-Management-Systeme (Headless CMS) sind eigentlich nur die logische Konsequenz des Single-Responsibility-Prinzips: Jede Komponente eines Systems sollte sich um einen Aspekt kümmern und auch nur einen Grund haben, sich zu ändern. Ein Headless CMS macht genau das. Es ist eine Komponente, die sich ausschliesslich um die Pflege und die Bereitstellung digitaler Inhalte kümmert.

Meine Aufgabe als Application Architect ist es, dieses Puzzlestück in das Gesamtgebilde zu integrieren. Dabei geht es aber nicht nur darum, wie das Headless CMS mit anderen Teilen kommuniziert. Es geht auch darum, den Inhaltseditor:innen die bestmögliche Benutzungserfahrung zu bieten. Sie sollen ihre Arbeit ausschliesslich aus dem Headless CMS erledigen können.

Ein anderer Aspekt, der bei der Verwendung eines Headless CMS sehr wichtig ist, ist der sorgfältige Aufbau eines flexiblen Inhaltsmodells zu Beginn des Projektes. Hier gibt es sehr viel Austausch mit den Kund:innen, aber auch mit dem gesamten Entwicklungsteam. Wir wollen sicherstellen, dass die Autor:innen schnell und einfach ihre Ziele erreichen.

Wie funktioniert aus deiner Perspektive das Zusammenspiel von Application Architecture mit den anderen Disziplinen wie User Experience, Project Management, Testing, Frontend und mehr?

Als Application Architect bin ich bereits in der Offertphase eines Projektes involviert. Schon dann stehe ich mit unseren Expert:innen aus den anderen Bereichen in Kontakt. Ich persönlich sehe den Application Architect als ein zusätzliches Paar Augen, das eine andere Sichtweise auf das Projekt hat als die anderen Rollen. Der Application Architect achtet darauf, wie sich das technische Gesamtbild gestaltet, um den Benutzer:innen ein möglichst optimales Erlebnis zu bieten.

Interdisziplinäre Teams prägen deinen Alltag als Application Architect, und du bewegst dich in einem agilen Umfeld. Wie fühlt sich dies an?

Innerhalb des Entwicklungsteams sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Disziplinen meistens gar nicht so gross. Der grösste Sprung ist meistens im Bereich zur Kund:innenseite. Diese kommen aus ihren jeweiligen Fachbereichen im Marketing, dem öffentlichen Verkehr oder der Versicherungsbranche. Mit einem gemeinsam definierten Vokabular, guter Kommunikation, Offenheit und respektvollem Umgang lassen sich dabei auch schwierige Phasen gut meistern.

Serviceintegration & Microservices sowie Headless waren bei uns 2018 nicht neu. Trotzdem hat der Bereich Web Experience diesen Themen neuen Schub verliehen. Wie war für dich der Einstieg in die Projekte und wie waren deine Eindrücke während der ersten Monate bei Unic?

Ich kam genau in dieser Zeit des Umbruchs in den Web-Experience-Kreis und bin dann mit SwissPass Smile als einem der ersten grossen Headless-Projekte direkt ins kalte Wasser gesprungen – genau das, was ich wollte. Das Projekt war gerade in der Anfangsphase, was den Einstieg enorm erleichtert hat, da ich bei allen Diskussionen und Entscheidungen direkt involviert war. Und wenn ich dann mal nicht weiterwusste, gab es ja noch die ganzen anderen klugen Köpfe um mich herum, deren Wissen ich jederzeit anzapfen konnte.

Ich persönlich sehe den Application Architect als ein zusätzliches Paar Augen. Diese Rolle achtet darauf, wie sich das technische Gesamtbild gestaltet, um den Benutzer:innen ein möglichst optimales Erlebnis zu bieten.

Tobias Fink
Senior Application Architect, Unic

Veränderungen & Innovationen in der Software-Architektur

Welche Herausforderungen erlebst du heute in deinem Arbeitsumfeld?

Aus technischer Sicht ist sicherlich die Flut an neuen Frameworks, Werkzeugen und Bibliotheken herausfordernd. Da ist es unmöglich, noch alles mitzubekommen. Auf der anderen Seite sind viele Sachen auch nicht neu, sondern sind nur ein anderer Dreh von etwas, was es schon vor Ewigkeiten mal gegeben hatte. Im Bereich der Zusammenarbeit wird es in der Zukunft sicher spannend, wie man mit der jetzt salonfähigen flexiblen Arbeitseinteilung umgeht.

Als promovierter Chemieinformatiker an der Universität Bern und mit langjähriger Berufserfahrung im Bereich der Pharmaindustrie war der Wechsel zu einer kleinen, agilen Webdienstleisterin ein wagemutiger Schritt. Was hat dich darin bestärkt, diesen zu gehen?

Ich kann mich noch gut an mein erstes Interview erinnern. Nach ein paar Minuten habe ich gemerkt, dass hier Leute sind, die nicht ein Interview machen, weil es Teil ihres Pflichtenhefts ist, sondern weil sie Lust darauf haben. Da habe ich mir gedacht: So sieht es aus, wenn jemand eine Rolle annimmt, weil er sie gerne macht und Spass daran hat. Für mich war damals klar, dass Holakratie etwas ist, was zu mir passt.

Vor deiner Tätigkeit bei Unic warst du bei Idorsia Pharmaceuticals als Senior Scientific Software Engineer & Architect tätig. Was fasziniert und motiviert dich heute in deinem Arbeitsalltag in einer Digitalagentur?

Man merkt natürlich, dass das Kerngeschäft einer Digitalagentur ein anderes ist als das einer Pharmafirma. Hier ist man umgeben von Expert:innen aus den verschiedensten digitalen Bereichen, die helfen, dass jeder Aspekt eines Projekts bestmöglich umgesetzt wird. Und die Vielfalt der Arbeit ist faszinierend: Offerten schreiben, Lösungsarchitekturen erstellen, enger Kund:innenkontakt, immer wieder mit neuen Leuten zusammenarbeiten – alles ist dabei, und es wird einfach nicht langweilig.

Die Vielfalt der Arbeit ist faszinierend – alles ist dabei, und es wird einfach nicht langweilig.

Tobias Fink
Senior Application Architect, Unic

Familie, Diversität & Holacracy 

Aktuell arbeitest du in einem Pensum von 90%. Wie gelingt es dir, all die vielfältigen Aufgaben als Vater, Hausmann und Software Architect erfolgreich unter einen Hut zu bringen?

Das finde ich gar nicht so schwer. Meine Tochter steht mit 17 schon fast auf eigenen Beinen und erledigt auch Dinge im Haushalt. Und alles zusammen balanciert sich schön aus – wenn ich mal genug habe von der Arbeit, dann gibt es ja zum Glück die Familie.

Seit bald vier Jahren sind wir mit dem Organisationssystem Holacracy unterwegs. Wie spielen Projektalltag und Holacracy in der Praxis zusammen?

Innerhalb von Unic ist Holacracy für die Projektarbeit eine enorme Erleichterung. Kurze Entscheidungswege, klar verteilte Rollen, effiziente Treffen, in denen man alle Informationen bekommt, die wichtig sind. Und wenn es möglich ist, arbeiten wir in unseren Projekten ja ebenfalls nach agilen Prinzipien. Die Methodik ist dann zwar anders, aber die Grundprinzipien sind ähnlich.

Diversität und Inklusion sind in aller Munde. Wie erlebst du als Mann das Thema und wie geht Unic aus deiner Sicht damit um?

Beides hängt sehr mit der Unternehmenskultur zusammen. Das Wichtige aus meiner Sicht ist, zu verstehen, dass wir eine bestimmte Kultur nicht einfach vorgeben und in irgendwelchen Kernwerten definieren können. Wir müssen sie pflegen. Ich denke, bei Unic und auch im Kreis Web Experience legen wir sehr viel Wert darauf, unsere Kultur vorzuleben und zu pflegen. Als ich damals bei Unic angefangen habe, habe ich sehr schnell gespürt, welche Werte für unseren Kreis wichtig sind.

Remote-Arbeit und die Veränderungen infolge von Corona

Seit über 1.5 Jahren hat uns die Pandemie und die damit verbundene Remote-Tätigkeit fest im Griff. Wie hat sich dein Arbeitsalltag in dieser Zeit verändert?

Dadurch, dass ich mir den Arbeitsweg spare, beginnt mein Tag ein wenig gemütlicher mit meiner Familie, was ich schon sehr geniesse. Der Arbeitstag danach hat sich eigentlich nicht sehr verändert, das Quatschen mit den Kolleg:innen fällt leider weg. Dafür kann ich in meiner Kaffeepause auch mal schnell die Waschmaschine anwerfen oder die beiden Kaninchen füttern. Und ich war natürlich früher nie mit der Jogginghose im Büro.

Welche Chancen, aber auch Herausforderungen hast du in dieser Zeit wahrgenommen?

Unic hat schon immer flexibles Arbeiten unterstützt. Immer zu Hause zu sein, hat alles nochmals ein bisschen flexibler gemacht. Durch den fehlenden Arbeitsweg habe ich plötzlich einfach eine Stunde mehr Zeit am Tag. Auf der anderen Seite geht die Distanz zwischen Arbeit und Freizeit ein bisschen verloren, wenn ich meinen Arbeitstag abschliesse und ein paar Sekunden später schon in der Küche stehe und koche. Da merke ich schon, dass der Kopf oft noch bei der Arbeit hängt.

Wo siehst du eine Vereinfachung beziehungsweise Verbesserung der aktuellen Rahmenbedingungen, und wie stellst du dir die Post-Corona-Zeit vor?

Ich denke, die Arbeitswelt wird sich zu einem flexibleren Modell verschieben. Selbst Firmen, für die Homeoffice zuvor unvorstellbar gewesen ist, haben gesehen, dass es doch funktioniert. Aber was passiert jetzt, wenn man den Mitarbeitenden die Wahl lässt, ob und wann sie von zu Hause arbeiten? Haben dann die, die immer ins Büro kommen, Vorteile gegenüber denen, die von zu Hause arbeiten, oder andersrum? Das wird sicherlich eine Herausforderung für alle. Es wird sehr spannend sein, zu sehen, was sich für Muster entwickeln werden.

Blick über die Schultern

Es sind die Menschen, die Unic ausmachen und vorantreiben. Die Rubrik „Blick über die Schultern“ gibt einen Einblick, was unsere Expert:innen auszeichnet. Sie stellen nicht nur ihr Fachgebiet vor, sondern zeigen ihre ganz persönlichen Perspektiven und erzählen, was sie antreibt und was sie fasziniert.

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