Der Frontend-Experte Thomas Jaggi im Interview

«Das Internet ist eine Plattform für alle» – Accessibility, eine Herzensangelegenheit

Thomas Jaggi, Expert Frontend Engineer von Unic, hat den kürzlich gelaunchten Developer Accessibility Guide (ADG) in Zusammenarbeit mit der Stiftung «Zugang für alle» und den Agenturen Zeix AG, Liip und Hinderling Volkart mitentwickelt. Im Interview spricht er über die Gemeinschaftsinitiative, sein Engagement für eine barrierefreie digitale Welt und den Stellenwert von Accessibility bei Unic.

Accessiblility – Inhalte für alle Website-Besucher zugänglich

Thomas, Du widmest Dich seit einigen Jahren dem Thema digitaler Barrierefreiheit. Wie definierst Du «Accessibility» und wann ist eine Website eigentlich «barrierefrei»? 

Thomas Jaggi: Eine Website ist für mich dann barrierefrei, wenn deren Inhalte für alle Benutzer zugänglich sind. Accessibility meint insbesondere die Tatsache, dass Menschen mit Einschränkungen – seien dies Sehbehinderte oder blinde Menschen, gehörlose Menschen oder Menschen mit motorischen oder kognitiven Behinderungen – genauso wie uneingeschränkte Benutzer auf Websiteinhalte zugreifen können.

Hat sich die Disziplin seit Deinen Anfängen verändert? Woran machst Du Veränderungen aus?

Browser-Applikationen leisten heute mehr als noch vor einigen Jahren. Und Websites sind interaktiver geworden. Diese Entwicklung ist grundsätzlich sehr sinnvoll, weil sich die User Experience für uns Nutzer verbessert. Allerdings wird es dadurch schwieriger, barrierefreie Websites zu konzipieren. Wir müssen deshalb umso mehr darauf achten, dass wir Seiten so bauen, dass sie auch für Menschen mit Einschränkungen funktionieren. 

Wagen wir nun einen Blick in die Zukunft. Ist das Web in ein paar Jahren barrierefrei? 

Mein persönliches Ziel – aber auch das von Unic – ist es, dass die Barrierefreiheit von Websites künftig weiter zunimmt. Denn das Internet ist eine Plattform für alle. Benutzergruppen auszuschliessen, weil uns bei der Umsetzung das entsprechende Knowhow fehlt, ist unnötig und schade. Durch den Developer Accessibility Guide (ADG) sind wir diesem Ziel einen Schritt näher. Die Anleitungen und Code-Beispiele des ADG helfen uns Entwicklern, von Anfang an bessere Plattformen zu bauen. 

Das Internet ist eine Plattform für alle. Benutzergruppen auszuschliessen, weil uns bei der Umsetzung das entsprechende Knowhow fehlt, ist unnötig und schade.

Unic und Accessibility – wir entwickeln barrierefreie Websites 

Welchen Stellenwert besitzt Accessibility denn in Webprojekten von Unic?

Bei Unic ist der Stellenwert von Accessibility seit jeher überdurchschnittlich hoch, und unsere Entwickler sind auf dieses Thema sensibilisiert. Wir streben bei unseren Projekten stets das Level WCAG 2.0 AA an. WCAG steht für Web Content Accessibility Guidelines und meint die internationalen Richtlinien, die einen weltweiten Standard für barrierefreie Webinhalte bieten.  

Welche Projekte stechen aufgrund besonders guter Accessibility hervor?

Der Relaunch der SBB war in dieser Hinsicht sicher die bisher grösste Herausforderung. Es galt, eine Vielzahl an Komponenten über verschiedene Kanäle hinweg für alle Benutzer so konsistent und einfach bedienbar wie möglich zu machen. Sei dies mittels Touch-, Maus- oder Tastatureingabe, mit oder ohne Screenreader. Dabei haben wir von Beginn an einen iterativen Ansatz gewählt und die erstellten Komponenten regelmässig mit «Zugang für alle» auf ihre Barrierefreiheit hin überprüft und kontinuierlich verbessert. Dieses Vorgehen hat sich bewährt. Bei einer Website der Grösse und Komplexität von sbb.ch ist diese Arbeit jedoch nie abgeschlossen. Die Accessibility ist bei der laufenden Weiterentwicklung nach wie vor ein wichtiger Fokus.

Der Developer Accessibility Guide – so gelingt barrierefreies Frontend 

Du hast den Accessibility Developer Guide (ADG) bereits angesprochen. Was ist denn nun eigentlich der ADG?

Der Accessibility Developer Guide ist eine Plattform, auf der alle Informationen zu Accessibility im Frontend gebündelt werden. Er beinhaltet konkrete Anleitungen und zeigt auf, wie man z. B. einen Screenreader konfigurieren, eine Testumgebung aufsetzen oder einen Tooltip barrierefrei umsetzen kann. Der ADG wartet ausserdem mit vielen Code-Beispielen und Testresultaten auf und geht auch auf die Grenzen einer Lösung ein. Der ADG beantwortet somit die zentralen Fragen im Zusammenhang mit Accessibility im Frontend.

Woraus ist das Bedürfnis für den ADG entstanden und an wen richtet sich der ADG primär? 

Der ADG ist aus einem direkten Bedürfnis von uns Frontend-Entwicklern entstanden. Denn wir Entwickler sind die primären Konsumenten des ADG. Aus unserer täglichen Arbeit kennen wir das Problem, dass wir uns Informationen zur Barrierefreiheit sehr umständlich und aus unzähligen Quellen zusammensuchen müssen. Dabei ist oft nicht klar, wie zuverlässig sie sind, da beispielsweise Testresultate fehlen. Der ADG sammelt und bündelt nun alle relevanten Informationen in einem Portal. 

Was war Deine ganz persönliche Motivation, an diesem Guide mitzuarbeiten, respektive das Thema Accessibility so stark voranzutreiben?

Das Thema Accessibility ist und war mir in der Vergangenheit schon immer ein wichtiges Anliegen. Umso bedauerlicher fand ich es, dass wir als Community bislang Mühe hatten, das entsprechende Knowhow nachhaltig zu teilen. Ausserdem hat sich das Wissen oft auf Einzelpersonen konzentriert. Deshalb freut es mich, dass mit dem Launch des Accessibility Developer Guide Wissen und Erfahrungen nun als Open-Source-Initiative dokumentiert werden. Im besten Fall erspart der Guide uns Agenturen künftig viel Zeit und wir können von Anfang an bessere Websites bauen. 

Am 19. Juni 2018 wurde die 1. Version des ADG gelauncht. Ist Deine Arbeit damit erledigt?

Nein, definitiv nicht. Denn es gibt noch viele Dinge, um welche wir die Plattform erweitern wollen. So fehlen bei einigen Widgets Anleitungen, und es gibt Themen, die im Guide noch gar nicht abgehandelt werden, wie beispielsweise die Konzeption barrierefreier E-Mails. 

Insbesondere geht es nun aber darum, die Informationen des ADG aktuell zu halten. Da es sich beim ADG um ein Open-Source-Projekt handelt, möchte ich alle Frontend-Entwickler dazu ermuntern, sich aktiv am Projekt zu beteiligen. Wir freuen uns auf spannende Inputs aus der Community, durch welche der ADG verbessert und weiterentwickelt werden kann.

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