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Peter Merholz: «Design ist Service Design»

Den User stets vor Augen: Wir sind überzeugt, Human Centered Design ist ein zentrales Erfolgsprinzip in der digitalen Welt. Mit Peter Merholz, Design-Koryphäe und Co-Autor von «Org Design for Design Orgs» haben wir über das Thema «Design Leadership» gesprochen. Merholz widmet sich in seinem Buch der Frage, wie Design-Teams in Unternehmen erfolgreich aufgebaut und geführt werden können.

Design-Teams sind wichtige Partner der Organisation

Peter Merholz, welche Rolle spielt Design im Produktentwicklungsprozess von neuen digitalen Dienstleistungen?

Peter Merholz: Es ist wichtig, dass wir zunächst klären, was wir unter dem Begriff Design verstehen. In meinem Buch «Org Design for Design Orgs» und in meinen Workshops argumentiere ich, Design als «Service Design» zu verstehen. Denn praktisch jedes Unternehmen, für welches wir arbeiten, erbringt Dienstleistungen. Somit ist jedes Design auch Service Design.

Neue digitale Dienstleistungen entstehen, wenn Design-Teams in einer Analysephase die Bedürfnisse von Kunden und Usern empirisch erheben. Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen können innovative Erlebnis-Prototypen gebaut, mit Usern getestet und iterativ verfeinert werden. Cross-funktionale Teams entwickeln diese Ideen dann weiter und bringen sie schliesslich auf den Markt.

Design ist entscheidend, weil es bereits in den ersten Phasen des Entwicklungsprozesses Ideen konrektisiert und erlebbar macht. Das Design ermöglicht Menschen, die Auswirkungen der Geschäftsstrategie frühzeitig zu verstehen.

In Ihrem Buch «Org Design for Design Orgs» erklären Sie die Eigenschaften von effektiven Design-Organisationen. Welche Potenziale sehen Sie für Design-Teams?

Design-Teams haben das Potenzial, sich als Partner anderer wichtiger Organisationsbereiche wie Technik, Produktmanagement, Marketing sowie Verkauf eines Unternehmens zu etablieren. Diese Position müssen sich Design-Teams allerdings erst erarbeiten. Im Buch haben wir diesem Thema ein Kapitel gewidmet. Es soll Design-Teams helfen, an ihrer Maturität zu arbeiten, um diese Stellung im Unternehmen erlangen zu können.

Sie schreiben im Buch ausserdem auch über die Kernkompetenzen vom Design. Welche Kompetenzen benötigt denn ein Design-Team und warum?

Über welche Kompetenzen ein Team verfügen muss, hängt vom Design-Team und auch von den Dienstleistungen des Unternehmens ab. Es gibt jedoch gewisse Kompetenzen, die jedes Team haben sollte. In den Workshops sprechen wir von den Folgenden (siehe Grafik):

The core design skills by Peter Merholz
The core design skills by Peter Merholz

Eine Design-Kultur schaffen heisst Werte explizit machen

Denken wir nun an die Design-Kultur. Wie können Design-Leader diese Kultur schaffen und worauf müssen sie achten?

Das Wichtigste ist es, bewusst an einer Design-Kultur zu arbeiten. Leider unterschätzen das viele Design-Unternehmen und leiden entsprechend an einem mangelnden Verständnis über gemeinsame Werte und Ziele. Im Buch bieten wir ein einfaches Framework, das helfen soll, an dieser Kultur zu arbeiten (siehe untenstehende Grafik):

Es ist wichtig, dass Design-Leader damit beginnen, die Werte der Design-Organisation explizit zu machen. Wofür steht die Organisation und was tut sie? Bei Snagajob* waren es die folgenden Werte: Qualität, Zusammenhang, Evidenz, Furchtlosigkeit und Bescheidenheit. Diese Werte haben uns bei der täglichen Arbeit geleitet. Indem wir diese Werte explizit gemacht haben, konnten wir Kohärenz in unseren Bemühungen erlangen.

Diese Werte werden erst durch unser Arbeitsumfeld und durch unsere Tätigkeiten zum Leben erweckt. Deshalb ist es die Aufgabe eines jeden Leaders, gemeinsame Werte zu verkörpern und vorzuleben. Design-Leader fungieren als Vorbilder für ihre Teams, denn oft passen sich Teams in ihrem Verhalten den Leadern an.

Framework for developing a design culture
Framework for developing a design culture

Designer als Botschafter mensch-zentrierter Ansätze

Wie können ethische Werte in der heutigen technologischen Diskussion berücksichtigt werden?

Designer spielen hierbei eine Schlüsselrolle, weil sie ethische Aspekte in technologische Diskussionen bringen. Sie sind oft die Botschafter mensch-zentrierter Ansätze im Produktentwicklungsprozess. Designer sind bemüht, ihre Kunden und deren User zu verstehen, und sie vertreten auch deren Interessen gegenüber einem grösseren Gremium.

Meiner Meinung nach ist es nicht nur wichtig, dass man ethische Werte im Entwicklungsprozess neuer Technologien berücksichtigt, sondern dass ethische Werte grundlegend in der Entwicklung digitaler Dienstleistungen sind. Nur so kann sichergestellt werden, dass das, was entwickelt wird, auch wirklich den Usern und der Gesellschaft von Nutzen ist.

Was war Ihr Antrieb, ein Buch über Design Leadership zu verfassen?

Meine Motivation war die Erkenntnis, dass Unternehmen immer mehr in Design investieren, ihre Design-Teams jedoch nicht mit den entsprechenden Kompetenzen ausrüsten. Das Buch zeigt auf, welche Organisationspraktiken Teams wirkungsvoller machen. Damit haben letztlich auch die Unternehmen mehr von ihren Investitionen.

*Snagajob ist eine amerikanische Online-Stellenbörse. Peter Mehrholz ist seit 2017 als Head of Design bei Snagajob tätig.

Den User stets vor Augen

Als “UX-ler” an der Frontend Conference

Die Disziplinen wachsen zusammen. In den Anfängen der Frontend Conf ging es hauptsächlich um Code. Doch nach und nach kamen Themen dazu, die beim Programmieren der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine auch eine Rolle spielen: Visual Design, User Experience, Research, Leadership, diese Liste ginge noch weiter.

It Takes a Village to Raise a Bot

Der Spirit der Frontend Conference in Zürich war auch dieses Jahr überwältigend. Jedes Jahr kommen in Zürich für zwei Tage Developer und User-Experience-Experten zusammen, lachen und lernen miteinander.

Jeder leistet seinen Beitrag

Josh stellt sich die Frage, welche Rolle Design in einer Welt von Algorithmen noch haben kann. Müssen wir alle ein tieferes Verständnis für Entwicklung und Code haben?

Slobodans schöne serverlose Slides

Hier schreibe ich über Slobodan Stojanovićs Präsentation «Serverless: A Backend Thing That Gives Superpowers to Frontend Developers» vom 30. August 2018, dem ersten Tag der diesjährigen Frontend Conference in Zürich.