Sandro Dönni und Ivo Bättig im Gespräch zu Holacracy bei Unic

Holacracy bei Unic

Ivo Bättig und Sandro Dönni sind massgeblich an der Einführung von Holacracy bei Unic beteiligt. Im Interview sprechen sie über ihre Erfahrungen, die eine solche Reorganisation mit sich bringt.

Ihr habt bei Unic die Chefs abgeschafft. Wie kommt man auf die Idee?
Ivo:
Unser Ziel war nicht, die Chefs abzuschaffen. Wir wollten eine passende Organisationsform für die Zukunft finden. Zu Beginn unseres Strategieprozesses hätten wir uns selber nicht vorstellen können, dass wir die klassische Führung bei Unic für etwas ganz Neues aufgeben würden. Wir sehen uns aber einem dynamischen und komplexen Markt ausgesetzt, dem wir nur mit Agilität und einer höheren Selbstorganisation begegnen können.

Sandro: Um einen solchen Schritt zu machen, muss man überzeugt sein, dass die bestehenden Strukturen für ein immer dynamischeres Marktumfeld und für anspruchsvolle Kunden nicht mehr die passenden sind. Wir glauben daran, dass wir in einem responsiven Modell Herausforderungen besser und agiler lösen können. Wir bauen bürokratische Hürden und lange Entscheidungswege konsequent ab und sind so näher bei unseren Kunden. Daneben hat sich das Führungsverständnis in den letzten Jahren stark geändert. Es wird immer schwieriger, die besten Mitarbeitenden in klassischen Strukturen anzuziehen.

Wie plant man eine solche Transformation und wie setzt man um?
Ivo:
Nachdem wir in der Geschäftsleitung den Entscheid gefällt hatten, informierten wir zuerst alle Führungspersonen und führten intensive Gespräche über das Warum und das Wie. Wir hatten zum Ziel, dass alle unser Vorhaben unterstützen. Und wir bekamen praktisch unisono Zustimmung. Für uns war das ein wichtiges Zeichen. Wir sind glücklich, bis heute kaum ehemalige Führungskräfte verloren zu haben.

Anschliessend haben wir ganz traditionell ein Change-Projekt aufgesetzt und uns über die Methodik Gedanken gemacht. Dabei haben wir unterschiedliche Phasen (Vorbereitung, Planung, Transition, Begleitung und Betrieb) definiert und erarbeitet, was es in der jeweiligen Phase braucht. Die Information der weiteren Mitarbeitenden war ein weiterer Meilenstein. Wir waren gespannt, wie hier die Resonanz ist. Das positive Echo vonseiten der Mitarbeitenden hat uns zusätzlich ermutigt, unseren ambitiösen Fahrplan beizubehalten.

Sandro:
Wir hatten einen E-Learning-Kurs erstellt, um alle Mitarbeitenden für den Start der Umstellung zu befähigen. Zudem boten wir verschiedene Live-Sessions an, wo Fragen diskutiert werden konnten. Davon gibt es Tausende zu Beginn einer solchen Umstellung. Nach dem Start wurde die Holacracy-Einführung durch interne "Holacracy Coaches" begleitet, welche wir extern ausbilden liessen. Sie halfen, die neuen Strukturen und Prozesse zu etablieren, und unterstützten die Kreise. Daneben haben wir einen Change-Office-Kreis installiert, der den Wandel bis heute begleitet. Es ist ein massiver Transformationsprozess: Wir haben alle unser bisheriges Berufsleben in völlig anderen Strukturen verbracht, als wir das heute bei Unic tun.

Wo steht ihr gerade und wo gibt es Herausforderungen?
Ivo:
Bei den Holacracy-Prozessen und bei der Ausübung der Standardrollen hatten wir schon nach den ersten paar Monaten einen wirklich guten Stand. Die klaren Strukturen sowie das Wissen über die Verfassung haben sich etabliert. Wir sind jetzt bei der nächsten Stufe angelangt, wo wir lernen, wie wir die neue Selbstorganisation optimal nutzen können. Wir haben uns auf eine längere Reise begeben und lernen täglich Neues dazu. Die Prozesse sind nur das eine, die Kultur ist das andere – und zwar das viel intensivere und aufwendigere. Wir müssen alle zusammen Sachen lernen, aber auch entlernen – z.B. Leadership ohne Delegation, den Sinn und Zweck ins Zentrum stellen, der Umgang mit Rollen und Spannungen etc.

Sandro: Wie Ivo sagt, ist die adäquate Begleitung des Kulturwandels eine der grossen Herausforderungen. Nahe genug an den doch sehr verschiedenen Bedürfnissen der Leute zu sein, ist nicht einfach. Die Mitarbeitenden auf der menschlichen Seite abzuholen und auf dem Weg in die Selbstorganisation zu begleiten, ist wichtig und intensiv. Man muss lernen, zuzuhören, und am richtigen Ort Unterstützung bieten. Wichtig ist dabei, den Dialog aufrechtzuerhalten und gemeinsam die Unic der Zukunft zu gestalten. Schlussendlich ist es nicht ein kurzer Change, sondern eine längere gemeinsame Reise.

Was sagen eure Kunden zu diesem Schritt?
Ivo:
Das Interesse unserer Kunden und auch darüber hinaus ist sehr gross. Wir haben Anfragen für Austausch oder konkrete Unterstützung in spezifischen Bereichen. Das ist ja der Grund, warum wir zum Thema "Responsive Organisation" konkrete Angebote lanciert haben. Wir möchten hier unsere Erfahrung, welche wir tagtäglich erweitern, weitergeben. Generell kann man sagen, dass Holacracy nicht unmittelbar zu grossen Veränderungen in der Kundenbeziehung führt. Wir sind aber überzeugt, dass die Kunden mittelfristig von einer agileren Unic profitieren werden.

Sandro: Viele Kunden attestieren uns grossen Mut und spüren, dass wir diese Veränderung nicht zuletzt in ihrem Sinne vollziehen. Schön sind die Feebacks, die zeigen, dass der Kundenfokus und die konstante Betreuung beim Kunden angekommen sind und er einen Mehrwert wahrnimmt. Negative Erfahrungen habe ich persönlich noch von keinem Kunden gehört. Viele Kunden sind selber daran, herauszufinden, wie sie selber agiler werden und schneller am Markt agieren können. Ich glaube, dass wir hier eine Vorbildfunktion einnehmen.

Was sind die tollsten Erlebnisse, die ihr bisher mit Holacracy hattet?
Ivo:
Mich freut es zu sehen, dass einige Personen in neuen Rollen richtig aufgehen. Dann finde ich es immer wieder fantastisch, dass wir unsere Organisation in unglaublicher Dynamik entwickeln können – auch wenn wir manchmal immer noch das Gefühl haben, zu langsam und noch nicht auf dem Punkt zu sein.

Sandro: Ich finde es toll, wie immer mehr Initiativen zu verschiedenen Themen aus der Organisation heraus entstehen und auch direkt umgesetzt werden. Beispielsweise werden neue Kundenkreise geschaffen, um mehr Fokus und eine höhere Kundennähe zu erreichen. Oder das Zusammenkommen am Montagmorgen wird wieder eingeführt, um den Zusammenhalt zu stärken und aktuelle Informationen auszutauschen. Auch grössere Punkte können in sehr kurzer Zeit entschieden werden. So benötigten wir in einem Meeting rund 10 Minuten, um die Bewilligungspflicht für unbezahlte Ferien abzuschaffen. In welcher anderen Firma ist das möglich?

Die Personen

Ivo Bättig

Ich bin Partner von Unic und war vor der Holacracy-Einführung Mitglied der Geschäftsleitung. In meiner Rolle als Chief Strategy Officer habe ich die Erarbeitung einer neuen Unternehmensstrategie inkl. des neuen Organisationssystems verantwortet. Davor war ich 5 Jahre als COO von Unic unterwegs. Zuvor hatte ich diverse Führungspositionen bei diversen Unternehmen in unterschiedlichen Branchen inne, u.a. war ich mehrere Jahre bei Accenture als Unternehmensberater tätig und hatte mich das ganze Berufsleben lang immer wieder mit Organisations- und Unternehmensentwicklungsthemen beschäftigt.

Heute bin ich in den unterschiedlichsten Rollen unterwegs. Unter anderem in der Rolle als Holacracy Implementation Lead und als Coach, wo ich für die erfolgreiche und nachhaltige Einführung und Praxis von Holacracy verantwortlich bin. Als Transformation Consultant unterstütze ich andere Unternehmen in der Transformation in eine Responsive Organisation und bin als Referent unterwegs.

Sandro Dönni

Ich habe vor Holacracy das Business-Consulting-Team von Unic geleitet. Als Lead Link des Change Office und in verschiedenen anderen Rollen präge ich den Wandel in eine responsive Organisation bei Unic massgeblich mit. Als Arbeitspsychologe hat mich das Thema Organisation und der Arbeitswandel im Kontext der Digitalisierung seit jeher fasziniert und beschäftigt. Zu den Themen Digital Transformation, Collaboration und Digital Workplace berate ich seit Jahren Unternehmen verschiedenster Branchen.

Ich bin der Überzeugung, dass sich die Arbeit in den nächsten Jahren noch einmal rasant verändern wird. Es begeistert mich, Organisationen und Menschen auf diesem Weg zu begleiten und ihnen zu helfen, den nächsten Schritt in eine erfolgreiche Zukunft zu tun.

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